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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 244 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher
einerseits, Hypothesen über mehrgenerationale Verstrickungen,
Themen, Konflikte sowie ihre Folgen für gegenwärtige Handlungen
und Bedeutungsgebungen zu bilden. Zugleich lassen sich in den Familiengeschichten auch Ressourcen für die Problembewältigung und
das Aufscheinen möglicher Zukünfte entdecken. Das ermöglicht ein
tieferes Fallverstehen und liefert Ideen für das weitere Vorgehen.
Standardmäßig wird deshalb mit der Familie zusammen das Genogramm erarbeitet; es dient der Diagnose und der Intervention (s. Ritscher 2004b). Die Gegenwart wird vor allem durch Fragen zur Wirklichkeitskonstruktion (von Schlippe u. Schweitzer 1996) thematisiert.
Zukunft entsteht durch die »Fragen zur Möglichkeitskonstruktion«
(ebd.). Hier lässt sich das Reich der Freiheit etablieren zunächst
wird nicht gefragt, was realisierbar ist, sondern was gewünscht, erträumt oder vermieden wird. Erst wenn das Feld der Möglichkeiten
eröffnet wird, wenden wir uns den Realisierungschancen zu. Die
positive Grundstimmung, die sich im Wünschen herstellt, wirkt als
Motivationsspritze für die Erfindung von Ideen, mit deren Hilfe
»Sachzwänge« hinterfragt und die Realität kreativ ausgeweitet wird.
Moreno nannte das »surplus-Realität« (s. Ritscher 2004b, S. 274 f.).
3. Das Setting
Wir gehen in der Regel zu zweit in eine Familie. Nur bei Krankheit
oder nicht aufschiebbarer Verhinderung eines Teammitgliedes
nimmt die Ko-Therapeutin eine Sitzung alleine wahr.
Diese Arbeitsweise hat eine Vielzahl von Vorteilen.
• Wir können den Familien als Modell für Kooperation dienen, indem
wir einerseits ihnen gegenüber gemeinsame Positionen beziehen, anderseits aber auch Meinungsverschiedenheiten benennen und in ihrer Anwesenheit kooperativ austragen.
• Solche unterschiedlichen Positionen lassen sich auch methodisch
mithilfe des Splittings nutzen z. B. unterstützt der Therapeut bei einem bestimmten Thema den Mann, die Therapeutin seine Frau, sodass beide Perspektiven ihren Platz finden, Akzeptanz erhalten und
miteinander verhandelt werden können.
• Wir entdecken mehr professionelle Handlungsspielräume, indem
wir verschiedene Sichtweisen unserer Klientinnen und von uns selbst
besser wahrnehmen und in das Gespräch einbringen können.
• In emotional aufgeladenen und/oder kognitiv verwirrenden Situationen, die gerade bei Jugendhilfefamilien entstehen, in denen es um
Trennung, Fremdunterbringung der Kinder, Gewalt, chronischen
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