2026-001/documents/systemische-kinder-und-jugendhilfe/pages/241.md

2.6 KiB
Raw Blame History

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 241 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung

über ihre Erfahrungen außerhalb der Familie berichten, die Eltern um Rat fragen oder sich nach ihrer Meinung erkundigen) • die Möglichkeit der Kinder, ihre Wünsche den Eltern gegenüber zu formulieren und dabei auch erfolgreich sein zu können selbst eine gut begründete Ablehnung des Wunsches durch die Eltern kann ein Erfolgserlebnis sein, weil man ernst genommen und der Wunsch als solcher respektiert wurde • überschaubare und angemessene Konsequenzen für Regelverstöße aller Familienmitglieder • die Erarbeitung einer Tagesstruktur, die Kontakt und das Fürsichbzw. Woanderssein (in oder außerhalb der Wohnung) erlaubt • die Festlegung von Aufgaben im Sinne einer gerechten Belastungsverteilung • und die Würdigung von erfolgreichen Schritten zur Erreichung dieser Ziele.

Unser Konzept beruht auf systemischen Ideen über familiäre Umwelten, Familien und eine hilfreiche Beziehungsgestaltung zwischen ihnen und den Fachkräften.

• Mithilfe des ökosystemischen Modells von Uri Bronfenbrenner unterscheiden wir bei der Beschreibung sozialer Wirklichkeiten Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosysteme (s. Ritscher 2002a). Dadurch können wir uns gut in den sozialen Netzwerken orientieren und genau überlegen, an welchem Punkt in welchem sozialen System wir mit unseren Interventionen ansetzen wollen. Wollen wir z. B. als Erstes dem Mikrosystem Kind + Familie einen Hausbesuch abstatten; sind wir daran interessiert, Kind + Familie + Schule als Mesosystem an einen Tisch zu bringen; möchten wir über kommunale Sozialpolitik die Jugendhilfe verändern bzw. ausbauen (Arbeit im Exosystem); oder sollten wir in einer Sitzung über die Umsetzung kulturell hergestellter Rollenbilder in der Familie und ihre Umsetzung in oftmals widersprüchliches Verhalten sprechen? Die makrosystemische Perspektive verweist auch auf die zunehmende Komplexität sozialer Systeme, die Fragilität und Belastungen der (post)modernen Familie, die Sozialarbeit als »gesellschaftlichen Reparaturbetrieb« immer wichtiger werden lässt bei knapper werdenden Ressourcen. • Die theoretische Strukturierung unserer Praxis durch das Bronfenbrenner-Modell garantiert die vom systemischen Ansatz geforderte Kontextbezogenheit der Problembeschreibung, Zielfindung und Lösungswege: Der Blick auf die konkreten Lebensumstände der Familienmitglieder, ihre berufliche Situation, die wirtschaftliche Lage der Familie und ihre sozialen Bezüge verdeutlicht die Sinnzusammen-

241