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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 239 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung

Der zweite Aspekt schließt hier nahtlos an. AFT ermöglicht eine sehr viel stärker am Alltag der Familie orientierte Arbeit als ambulante Familientherapie in der Beratungsstelle oder freien Praxis. Sie ermöglicht einen mehr handlungsorientierten und auf Alltagsereignisse bezogenen Anschluss der Therapeutinnen an die familiären Wirklichkeiten. Dies ist gerade für Jugendhilfefamilien wichtig, die oft Schwierigkeiten haben, ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle begrifflich und damit abstrakt zu fassen und zu kommunizieren. Der dritte Aspekt einer Integration der AFT in das Verfahrensund Methodenrepertoire der Sozialen Arbeit liegt im Arbeitsfeld der Jugend- und Familienhilfe begründet. Dies ist ein originärer Bereich sozialarbeiterischen Handelns, dessen Rahmen durch das SGB VIII (KJHG) definiert wird. AFT wird im Katalog der Hilfen zur Erziehung (§ 27 ff.) zwar nicht gesondert benannt, kann aber problemlos als Maßnahme den §§ 27 ff. zugeordnet und auch entsprechend finanziert werden. Als Viertes sei hier darauf hingewiesen, dass eine an der Systemtheorie orientierte AFT sich schon von der metatheoretischen Basis her bruchlos in das Konzept einer »Systemischen Sozialen Arbeit« einpassen lässt (zu dieser siehe u. a. Herwig-Lempp 2002b; Kleve 2003a; Lüssi 1992; Milowitz 1998; Pfeifer-Schaupp 1995; Ritscher 2002a; Wnuk-Gette u. Wnuk 2002). Was ist das spezifisch Therapeutische an dieser Hilfeform, z. B. im Gegensatz zur Sozialpädagogischen Familienhilfe? AFT teilt mit allen psychotherapeutischen Verfahren die Leitidee, Probleme durch

• ihre diskursive Benennung • Reflexion ihrer Bedingungen, Folgen, Kontexte • eine Selbstthematisierung aller Mitglieder des als problematisch definierten Systems

• eine Beleuchtung hinderlicher Beziehungsmuster • die Erarbeitung neuer Verhaltensoptionen und Beziehungsregeln • und eine Übernahme der Verantwortung für die eigenen Beiträge zum Systemprozess

in einem Prozess kognitiv-emotionaler Veränderungen aufzulösen und dabei systeminterne und -externe Ressourcen zu finden, zu nutzen und auszubauen. Das Ziel ist nicht eine von den Therapeutinnen entworfene und im therapeutischen Prozess realisierte kognitiv-emotionale Umstruk239