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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 237 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
10. Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung
Ansatz. Es setzt eher auf punktuelle Anregungen und Verstörungen in
den Therapiesitzungen, die dann im Alltag zwischen den Sitzungen
in Interaktion mit den aktuellen Beziehungsereignissen und Handlungsmotiven der Familienmitglieder ihre Dynamik entfalten und
Entwicklungen vorantreiben. Diese Anregungen entstehen im Zusammenspiel zwischen Auftraggeberinnen und Therapeutinnen und
werden wenn möglich durch Handlungsexperimente (»Hausaufgaben«) am Ende der Sitzung in den Familienalltag »übergeleitet«.
Das TAF ist als eine locker verbundene Gruppe 1998 von Absolventinnen einer Zusatzausbildung für Systemische Therapie am
Stuttgarter Institut für Familientherapie (STIF) mit dem Ziel gegründet
worden, aus bestehenden Konzepten Aufsuchender Familientherapie
ein eigenes zu entwickeln und Jugendämtern anzubieten. Es gab zu
diesem Zeitpunkt an einen Kollegen die konkrete Anfrage einer Jugendamtsleiterin, welche die Aufsuchende Familientherapie (im Folgenden AFT) in ihren Maßnahmenkatalog aufnehmen wollte. Inzwischen besteht TAF aus sieben Kolleginnen und Kollegen. Alle sind in
dem TAF nebenberuflich und auf Honorarbasis tätig. Wir verfügen
über eine abgeschlossene Zusatzausbildung für Systemische Therapie und langjährige Erfahrungen in der Jugendhilfe. Drei Teammitglieder sind ausschließlich freiberuflich tätig. Vier Teammitglieder arbeiten im Angestelltenverhältnis in ihren Grundberufen als Sozialarbeiterinnen und Theologinnen. Alle wohnen in der Region Stuttgart.
Die Arbeit in den Familien wird jeweils von gemischtgeschlechtlich
besetzten Zweierteams gestaltet. Ein Kollege hat zusätzlich geschäftsführende und koordinierende Aufgaben und tritt auch als Ansprechpartner für Jugendämter auf. Wir treffen uns als Team in den regelmäßigen Supervisionssitzungen und in unregelmäßigen Abständen,
um geschäftliche und konzeptionelle Fragen zu besprechen. Die
Zweierteams stehen zur Abstimmung und zur Reflexion der Arbeit in
den Familien auch zwischen den Therapiesitzungen miteinander in
Kontakt. In der Regel sind vier Zweierteams jeweils parallel in drei bis
fünf Familien tätig.
Das TAF hat also kaum formelle Strukturen; allein die Rolle des
Koordinators, die monatliche Supervision und gelegentliche, immer
wieder neu zu vereinbarende Treffen ermöglichen den inneren Zusammenhalt und den Informationsfluss im System. Seine Identität
stellt sich vor allem über das gemeinsame Interesse an der Zusammenarbeit und dem selbst gesetzten Auftrag Aufsuchende Fami237