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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 236 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher
10. Aufsuchende Familientherapie
als ambulante Hilfe zur Erziehung
Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher
1. Das Team für Aufsuchende Familientherapie (TAF)
Aufsuchende Familientherapie wurde als noch »junge« Maßnahme
der Jugendhilfe in Deutschland vor allem von Marie-Luise Conen in
Berlin entwickelt. Sie arbeitet mit einer Frequenz von zwei bis drei Sitzungen pro Woche im Ko-Therapeutinnen-Modell in einem Zeitraum
von sechs bis zwölf Monaten. Conen begründet diese Zeitstruktur damit, dass die entscheidenden Veränderungen des Systems in diesem
Zeitraum erfolgen und weitere im Rahmen des Hilfesystems nicht
mehr zu erwarten sind und auch nicht mehr notwendig seien (s. Conen 1996a). Hier handelt es sich um ein »Kompaktmodell« familientherapeutischer Intervention. Durch die Etablierung einer kontinuierlichen therapeutischen Komponente im Alltag einer Familie werden
die für dieses System relevanten und oft problematischen »Standardsituationen« zeitnah aufgegriffen und mit der Reflexion zugehöriger
familiärer Beziehungsmuster, einflussreicher Umweltbedingungen,
biografischer Erzählungen und Optionen für Veränderungen verbunden. Die häufige Präsenz der Therapeutinnen in der Familie unterstreicht in besonderer Weise die Notwendigkeit von Veränderungen,
mit der die Familie konfrontiert ist und die sowohl von außen z. B.
durch das Jugendamt als auch durch die auftraggebende Familie
selbst im Hilfeplan festgelegt ist. Die Dichte des Kontaktes birgt in
sich die Chance, in relativ kurzer Zeit ein die Veränderungen tragendes Vertrauensverhältnis aufzubauen. Diese Chance enthält zugleich
ein Risiko: Der relativ rasche Einstieg in die familiäre Privatsphäre
kann auch Misstrauen und Widerstände hervorrufen oder zu einer
schnellen »Adoption« der Therapeutinnen als Familienmitglieder
führen. Umso wichtiger ist die von Conen formulierte Leitfrage der
Therapeutinnen an die Familie: »Wie können wir Ihnen helfen, uns
wieder loszuwerden?« (Conen 1996b).
Das von dem »Team für Aufsuchende Familientherapie« (TAF)
entwickelte Modell unterscheidet sich in einigen Aspekten von diesem
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