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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 232 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
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Ute Buggenthin
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5. Ein Fallbeispiel aus der »klassischen Klientel«
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Frau Russell ist Mutter von zwei Mädchen im Alter von 13 und zehn
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Jahren und zwei Söhnen von fünf und zwei Jahren. Von dem französischen Vater der Mädchen wurde sie vor sechs Jahren geschieden,
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nachdem sie in Frankreich, wo die Familie seit der Geburt der jüngeren Tochter lebte, eine Beziehung zu einem anderen Franzosen eingegangen war. Sie kehrte mit ihrem neuen Lebensgefährten und den
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Töchtern zurück nach Deutschland, heiratete ihn, und die Söhne wurden geboren. Herr Russell ist arbeitslos. Er hat keine Berufsausbildung, und in der Vergangenheit konnte er seine Arbeitgeber nicht von
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seinen Qualitäten überzeugen. Kein Arbeitsverhältnis dauerte länger
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als vier Monate. Frau Russell füllt gelegentlich in einem Drogeriemarkt Regale auf. Die Familie lebt von ihrem geringfügigen Lohn, Arbeitslosengeld und ergänzender Sozialhilfe.
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Die Familie wurde uns vorgestellt, weil die zehnjährige Michelle
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in der Schule auffällige Verhaltensweisen zeigte: Unruhe, Konzentrationsprobleme, schwache Leistungen und eine Außenseiterposition
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in der Klasse wurden als hauptsächliche Probleme benannt. Die sehr
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engagierte Lehrerin setzte sich mit dem Jugendamt in Verbindung
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und machte auf die Familie aufmerksam, da sie der Überzeugung
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war, dass Michelles Schwierigkeiten in der Schule nicht aufgefangen
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werden könnten und von der problematischen Familiensituation her
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zu verstehen seien. Die Versetzung war gefährdet, und in den Pausen,
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wenn Michelle sich nicht von Erwachsenen kontrolliert fühlte, wehrte
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sie sich mit zunehmender Gewalt gegen die Anfeindungen der Schulkameradinnen.
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Der ASD-Kollege wurde bei seinen Besuchen bei der Familie mit
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vielschichtigen Problemen und völlig überlasteten Eltern konfrontiert. Er ermittelte zusammen mit der Familie den Hilfebedarf und
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schlug ambulante Hilfe durch die AGFJ vor.
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Das Procedere verläuft mit jeder Familie gleich: hypothetische Bedarfsermittlung, Erstgespräch, Kontraktgespräch und bedarfsorientierte Betreuung. Doch jeder Verlauf wird als Prozess verstanden, und
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die Aufträge und Angebote werden den jeweils neue Erkenntnissen
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angepasst.
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Bei dieser Familie wurde im Erstgespräch deutlich, dass sie aufgrund bisheriger Erfahrungen mit Behörden – in Frankreich und in
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Deutschland – sehr misstrauisch ist. Frau Russell war zunächst sehr
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bemüht, die Probleme der Familie herunterzuspielen. Durch eine ru232
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