34 lines
2.7 KiB
Markdown
34 lines
2.7 KiB
Markdown
WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 222 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
|
||
|
||
Ute Buggenthin
|
||
|
||
leme zu bearbeiten, und beantragten eine entsprechende Unterstützung beim Jugendamt.
|
||
Im weiteren Gespräch erfahren wir, dass Paul vor seinem Psychiatrieaufenthalt in der Schule sehr auffällig war. Er sei unpünktlich zur
|
||
Schule gekommen und habe sich den Anforderungen der Lehrkräfte widersetzt. Er habe kaum soziale Kontakte zu Gleichaltrigen und verbringe seine Freizeit ausschließlich vor dem Fernseher oder vor dem PC.
|
||
Bislang sei er mit seinem Vater gut zurechtgekommen, von seiner Mutter allerdings lasse er sich nichts sagen. Der Vater habe in der Vergangenheit seine Frau häufig entwertet – auch vor den Kindern. Frau Krahl
|
||
hatte Pharmazie studiert, arbeitete jedoch nie in ihrem Beruf. Stundenweise hilft sie in einer Apotheke aus. Herr Krahl mache sich häufig
|
||
darüber lustig und behaupte, sie lasse sich ausbeuten, weil sie sich eine
|
||
anspruchsvollere Arbeit nicht zutraue. Sein Sohn imitiere dieses Verhalten. Herr Krahl sei als Jurist in einer großen Firma angestellt. Er sei
|
||
ständig überarbeitet, komme in der Regel erst gegen 22 Uhr nach
|
||
Hause.
|
||
Auf Nachfragen hin wird erläutert, dass beide Eltern zur Mitarbeit
|
||
bereit seien und auch Paul sich zaghaft auf eine Art Probezeit der Betreuung einlasse. Pauls Schwester Lisa wird nur beiläufig erwähnt. Sie
|
||
wird als nicht auffällig und als »Muttertochter« beschrieben.
|
||
Die Eltern möchten Paul gerne in der Familie halten, schließen aber
|
||
eine Fremdplatzierung nicht aus, sollte er sein Verhalten nicht drastisch
|
||
ändern. Die Eltern haben große Sorgen um ihren Sohn, vor allem bezüglich der Schule, aber auch wegen seiner Gesundheit. Er verweigere
|
||
die ärztlichen Kontrolluntersuchungen, die aufgrund eines gutartigen
|
||
Tumors im Bein ständig notwendig seien. Bei Vernachlässigung der
|
||
fachgerechten Behandlung könne eine lebensbedrohliche Verschlechterung eintreten.
|
||
Nach Beendigung der Informationsphase wird mit Frau R. verabredet, dass sich nach der Beratung im Team die entsprechenden Kolleginnen mit ihr zur Vereinbarung eines Erstgespräches in Verbindung
|
||
setzen. Die Anfrage wurde nun im Team vorgestellt.
|
||
Hier wurde folgender Vorschlag für das Jugendamt erarbeitet: Eine
|
||
Familientherapeutin wird sich vorrangig mit den Fragen und Themen
|
||
der Eltern befassen (Eltern- und Paarebene), und zusätzlich wird ein
|
||
männlicher Kollege als »Pate« für Paul eingesetzt, der über Freizeitgestaltung versucht, eine tragfähige Beziehung zu dem Jungen aufzubauen. Nach Bedarf werden Gespräche mit der vollständigen Familie und
|
||
beiden Betreuungspersonen geführt.
|
||
Frau R. akzeptiert diesen Vorschlag, und es wird ein Erstgespräch
|
||
im Jugendamt verabredet.
|
||
|
||
222
|