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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 214 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Michaela Herchenhan und Sabine Heppel
• Wir nutzen in Familien mit Gewaltproblemen das methodische Wis-
sen von Virginia Goldener.1 Auch in diesen Fällen sind manchmal, damit überhaupt eine gemeinsame Sitzung mit allen Familienmitgliedern zustande kommt, mehr als fünf Gespräche notwendig.
• Wir fragen immer nach unterstützenden Menschen aus dem familiären Netzwerk und nutzen auch das professionelle Umfeld.
• In den meisten Klärungsgesprächen gelingt es, einen »kooperativen
Status« zu erreichen manches Mal mit einem realisierbaren Lösungsweg, manchmal auch ohne ein Ergebnis. Im letzteren Fall arbeiten wir mit der Familie daran, wie sie diese Zeit ohne Verbesserung, ohne neue Lösungsperspektiven und mit dem Wissen, dass die
alten erfolglos waren, bewältigen können.
8. Evaluation
Die ersten 40 Klärungsgespräche wurden anhand der halb standardisierten Bilanzfragen direkt nach deren Beendigung evaluiert. Eines
der zentralen Ergebnisse war: Bei 100 % vorgesehenen Jugendhilfen
(vor den Klärungsgesprächen) wurden in den ersten 40 Gesprächen
folgende Entscheidungen getroffen:
• 55 % ( 22 von 40):
• 45 % (18 von40):
Selbsthilfe
Jugendhilfe (17,5 % stationäre JH; 27,5 % ambulante JH)
Follow-up nach 2 Jahren in 38 der vorherigen Familien (2 waren weggezogen):
• 60,5 % (23 von 38): Selbsthilfe
• 39,5 % (15 von 38): Jugendhilfe (26,3 % stationäre JH (1 Abbruch);
13,2 % ambulante JH)
Außer den Entscheidungen wurde auch der Prozess der Gespräche im
Rahmen eines halb standardisierten Bilanzinterviews ausgewertet.
1 Goldner hat in ihrer langjährigen Arbeit mit Paaren ein so genanntes Schichtenmodell
entwickelt, das es ermöglicht, all die vielen unterschiedlichen Perspektiven der Betrachtungsweise hinsichtlich Gewalt in Beziehungen als jeweils eigenständige Fokusse in die
Arbeit einzubringen. Auf dem Hintergrund dieses Ansatzes finden auch in den Klärungsgesprächen sowohl sozioökonomische als auch individualpsychologische, systemische
und neurobiologische Faktoren Berücksichtigung. Gleichzeitig wird klar (moralisch wie
therapeutisch) Position gegen Gewalt bezogen, um zu verhindern, dass durch Neutralität
in den Gesprächen eine Reviktimisierung stattfindet (vgl. Goldener 1993).
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