2026-001/documents/systemische-kinder-und-jugendhilfe/pages/194.md

26 lines
1.8 KiB
Markdown

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 194 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Horst E. Bertsch und Herbert Böing
grenzverletzenden Verhaltens, also darum, Antworten auf die Frage
zu finden, ob er mehr an Jungen oder Mädchen interessiert sei, wie
er trotz seiner Ängste mit diesen in Kontakt kommen und eventuelle
Enttäuschungen bewältigen könne.
• T: Die Interventionen wurden zeitlich strukturiert und befristet, und
sie sollten zu bestimmten Zeitpunkten überprüft werden. Die Vereinbarung über zwei Gespräche pro Woche zwischen dem Jugendlichen und seinem Bezugserzieher trugen zur zeitlichen Strukturierung des Lösungsweges bei. Auch wurde vertraglich festgelegt, dass
am Ende jeder zweiten Woche ein kurzes Gespräch mit dem Fachdienst über die Ereignisse in der zurückliegenden Zeit geführt werden soll. Teil der Vereinbarung war auch, dass die sexuellen Übergriffe sofort aufzuhören haben, aber die Gespräche mit dem Erzieher so
lange fortgesetzt werden können, wie der Jugendliche es wünsche. Es
wurde also ein Zeitrahmen für die Beendigung des auffälligen Verhaltens gesetzt (»sofort«), zugleich die Beendigung der Intervention
thematisiert, die Beendigung selbst aber in die Eigenverantwortung
des Jugendlichen gelegt.
4. Ausblick
Die systemische Perspektive in der stationären und teilstationären
Jugendhilfe ermöglicht es, den Blick zu erweitern und die Kinder und
Jugendlichen als Teil größerer Systeme zu sehen und ihr Verhalten als
in diesen Kontexten sinnvoll zu verstehen. Diese Sichtweise ermöglicht auch eine Vielzahl neuer Handlungsoptionen, die sich vor allem
auf die Arbeit mit dem Mikrosystem Kind + Familie und dem Mesosystem Kind + Familie + Heim (vgl. Ritscher 2002a) beziehen. Damit
erhöht sich die Erfolgschance bei der Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen.
194