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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 191 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
7. Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe
Der Beratungsanlass sind drohende Sanktionen wegen sehr hoher
Fehlzeiten in der Schule. C. wird morgens zwar rechtzeitig von der
Mutter geweckt und steht dann auf, legt sich aber kurze Zeit später wieder hin. Mutter und Helferin entwickelten eine Palette von Interventionsformen, die aber keine Änderung ergaben. Mittlerweile erwartete
C., dass ihn die Mutter oder die Helferin zur Schule fährt, damit die
Verspätungszeiten nicht ausufern. Beide hatten sich darauf eingelassen, um die Situation zu entschärfen. Der Klassenlehrer hatte berichtet, dass C. im Unterricht gute Leistungen erbringe, aber der versäumte Stoff nicht nachgeholt werden könne, wenn er nicht am gesamten
Unterricht teilnehme. Die Helferin und der Berater bildeten die Hypothese, dass C. die Verantwortung für seinen Schulbesuch an die
Erwachsenen abgegeben und diese sie angenommen hätten. Es sollte
nun ein Weg gesucht werden, der ihm seine Verantwortung deutlich
macht und eine Verhaltensänderung ermöglicht. Es wurde beschlossen, ein Gespräch mit dem Klassenlehrer und der Schulleiterin zu führen mit dem Zweck, ihre Hypothese vorzustellen und zu prüfen, welche Möglichkeiten von schulischer Seite noch mitgetragen würden.
In diesem Gespräch wurde deutlich, dass der Klassenlehrer mit C.
weiterarbeiten möchte, aber nicht mehr bereit war, die Fehlzeiten hinzunehmen. Die Schulleiterin erklärte, dass ab einer bestimmten Anzahl von Fehlstunden das Schuljahr wiederholt werden müsse. Deren
Festlegung liege im Ermessen der Lehrerkonferenz und der Schulleitung. Bezüglich der ihm vorgetragenen Hypothese fragte der Klassenlehrer, was sie denn im Schulalltag nutze. Dadurch würde C. auch
nicht motiviert, pünktlich zum Unterricht zu kommen. Der Berater
stellte die Frage in den Raum: »Was wäre, wenn C. unser Gespräch
verfolgt hätte? Gäbe es für ihn einen Grund, jetzt pünktlich zu kommen?« Die Schulleiterin vermutete, C. könnte annehmen, er könne so
handeln wie bisher. Die Erwachsenen würden schon für ihn sorgen.
Die Helferin bat darum, eine konkrete Überschreitungsgrenze für die
Fehlzeiten anzugeben. Der Klassenlehrer und die Schulleiterin beschlossen daraufhin, das Problem in der nächsten Lehrerkonferenz,
die in zwei Tagen stattfinden sollte, zu diskutieren und die Zahl der
nicht zu überschreitenden Fehlstunden festzulegen. Die Helferin
stimmte dem zu; mit C. sollte dann erst nach der Lehrerinnenkonferenz gesprochen werden.
Die Helferin sagte, ihr sei während des Gesprächs klar geworden,
dass C. konkret mitgeteilt werden müsse, was er tun könne, um das
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