43 lines
2.6 KiB
Markdown
43 lines
2.6 KiB
Markdown
WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 175 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
|
|
|
|
6. Sozialräumliche, integrierte und flexible Jugendhilfe im Gemeinwesen
|
|
|
|
8.4.9 Soziale Gruppenarbeit (SGA) in Bezug auf Karl
|
|
im System der Gruppe
|
|
Der Ablauf der SGA wurde im SGA-Team jeweils für die kommende
|
|
Woche gemeinsam geplant und festgelegt.
|
|
Im Folgenden wird eine Situation in der Gruppe dargestellt, die
|
|
im Zusammenhang mit Karl und dem Ziel des Einübens positiver
|
|
Rückmeldungen wichtig war.
|
|
Aktuelle Rahmenbedingungen: In der Gruppe wurden zu diesem
|
|
Zeitpunkt acht Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren betreut. Die
|
|
SGA fand zweimal die Woche mit jeweils drei Stunden Betreuungszeit statt. Die Jungen nahmen mit unterschiedlicher Zielsetzung an
|
|
der Gruppe teil. Sie wurde durch eine Sozialpädagogin und einen Sozialpädagogen in Teamarbeit geleitet.
|
|
|
|
• Ausgangslage: Zwischen Karl und dem neunjährigen Ali gab es eine
|
|
heftige Auseinandersetzung beim Tischtennisspielen. Die Situation
|
|
schaukelte sich sehr schnell hoch, da Karl Ali nicht mitspielen lassen
|
|
wollte. Der Streit endete mit einem Wortgefecht und mit einem
|
|
Schlag ins Gesicht von Ali. Ali versteckte sich daraufhin hinter dem
|
|
Haus und wollte sich auf kein Klärungsgespräch einlassen. Karl sah
|
|
sich im Recht, da er fand, dass er Ali oft genug gesagt habe, er könne
|
|
nicht mitspielen.
|
|
• Ziel: Im anschließenden Gespräch in der Gruppe sollte herausgearbeitet werden, welche Funktion der Streit in Bezug auf die beiden Jungen hatte.
|
|
• Verlauf: Um eine in der Gruppe immer wiederkehrende Diskussion
|
|
darüber zu umgehen, wer der Schuldige sei, entschied sich das Team
|
|
für zirkuläre Fragen. Die anderen Jungen wurden gefragt, wie sich
|
|
Karl und Ali jetzt wohl fühlen. Sie antworteten: Es gehe beiden nicht
|
|
gut, Ali, weil er geschlagen wurde und sich von Karl abgelehnt fühle,
|
|
Karl, weil er sich auf gewalttätige Weise durchgesetzt habe. Der Sozialpädagoge fragte weiter, was Ali im Streit vorhin von Karl gewollt
|
|
habe und umgekehrt. Sie antworteten: Ali als Jüngster in der Gruppe
|
|
wolle, dass Karl ihn mitspielen lasse. Er wolle Aufmerksamkeit von
|
|
Karl, von ihm anerkannt sein. Karl habe sich bedrängt gefühlt und
|
|
zugeschlagen. Karl bestätigte, dass er nicht zugeschlagen habe, weil
|
|
er Ali nicht leiden könne, sondern weil er nicht wusste, wie er Ali
|
|
klar machen sollte, dass er das Nein auch akzeptieren und aufhören
|
|
müsse zu drängeln. Ali bestätigte, dass er gern von Karl anerkannt
|
|
werden und auch gerne mit ihm spielen wolle. Um Karl das Anliegen von Ali nochmals zu verdeutlichen, deuteten wir den Konflikt als
|
|
einen Versuch von Ali, mit Karl in Kontakt zu kommen. Von Karl
|
|
|
|
175
|