2.5 KiB
WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 160 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Peter Ahrens, Eyke Baum, Monika Gessner, Annette Heyd, Elke Looft und Heike Richter
»schlimmste« Klasse sei, die er jemals erlebt habe, und er schon vieles seit Schuljahresbeginn aufgearbeitet habe, was der vorherige Klassenlehrer versäumt habe. Auf unsere Frage, was bisher schon getan wurde, um die Klassengemeinschaft zu stärken, erklärte der Klassenlehrer, dass er des Öfteren Klassengespräche durchführe und eine Bußgeldkasse gegen Schimpfwörter eingerichtet habe. Wir erklärten unseren systemischen Ansatz und schlugen vor, die Situation mit der gesamten Klasse und dem Klassenlehrer zu bearbeiten. Es bestand großes Interesse daran, dass schnell gehandelt wurde. Wir vereinbarten zunächst zwei Termine für die Bearbeitung des Themas in der Klasse. Die Ziele des Klassenlehrers waren: Gewaltfreiheit in der Klasse, Zivilcourage der nicht beteiligten Schülerinnen bei gewalttätigen Aktionen und Integration aller Schülerinnen. Vor allem sollten auch die Mädchen ein selbstbewussteres Auftreten erlangen. In der Projektvorbereitung wurde deutlich, dass wir mit großem Widerstand in der Klasse rechnen müssten. Auf der Klasse lastete ein großer Veränderungsdruck vonseiten der Eltern, des Klassenlehrers (»Wenn sich nichts ändert, können wir nicht ins Schullandheim im Juni«) und des Schulleiters. 8.3.3.2 Projektverlauf
• In der Klasse klärten wir Mitarbeiterinnen die Rolle des Lehrers als
teilnehmender Beobachter. Um möglichem Widerstand vorzubeugen, begannen wir mit einer paradoxen Intervention. Jede Schülerin und jeder Schüler solle genauestens prüfen, was sie bzw. er einbringe, da es um sehr persönliche Anteile gehen könne. Wir erklärten, dass es uns nicht darum gehe, Sündenböcke zu suchen, sondern es gehe um eine Integration aller Schülerinnen und eine Verbesserung des Klassenklimas, wir wollten zukunftsorientiert arbeiten. Mit einer Vier-Ecken-Abfrage erkundeten wir die Bereitschaft zu Veränderungsprozessen in der Klasse. Alle sollten sich entsprechend ihrer Meinung in einer Ecke positionieren zu den Behauptungen: – Unser Klassenklima könnte nicht besser sein. – Alles ist okay in unserer Klasse. – Das Klassenklima ist verbesserungswürdig. – Ich halte es für absolut notwendig, dass sich das Klassenklima verbessert. Nachdem sich die Schülerinnen und der Klassenlehrer aufgestellt hatten, fragten wir zirkulär nach Einschätzungen und Meinungen zu dieser Aufstellung.
160