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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 154 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Peter Ahrens, Eyke Baum, Monika Gessner, Annette Heyd, Elke Looft und Heike Richter
In der kollegialen Beratung und in der Supervision ist zusätzlich
die Einbindung der Mitarbeiterin und des Mitarbeiters in das System
und die Auswirkung dieser Einbindung Thema.
8.1.5 Gesamteinschätzung
Die systemisch ausgerichtete sozialpädagogische Arbeit in der Wohngruppe ist besonders effektiv, da neben der Einzelförderung die direkte Aufarbeitung von Interaktionsmustern, die im Herkunftssystem
entwickelt wurden und sich in der Gruppe erneut zeigen, möglich
wird.
Das Zusammenleben in der Gruppe ist für sich genommen bereits Methode, da hieraus wesentliche Impulse und Arbeitsansätze
resultieren. Es bietet Sicherheit und Geborgenheit durch selbstverständlich stattfindende Kontakte mit den Mitbewohnerinnen und
den Betreuerinnen und beugt so Vereinzelung und Einsamkeitsgefühlen vor. Andererseits stellt es durch die Konfrontation mit Interessen und Sichtweisen anderer auch eine Reibungsfläche und ein
Lernfeld für die Bewohnerinnen dar. Eine besondere Chance der Betreuung in einer Gruppe liegt auch darin, dass sich Probleme und besondere Stärken der Einzelnen im Kontakt miteinander wesentlich
schneller zeigen und so im aktuellen Bezug darauf eingegangen werden kann.
Im Gruppenleben erlangt zudem auch das Moment der Selbstregulation Bedeutung, d. h., die Bewohnerinnen lernen im Alltagsgeschehen mit- und voneinander. Sie erfahren sowohl Kritik als auch
Unterstützung von ihren Mitbewohnerinnen und können sich im
Kontakt mit den anderen neue Verhaltensweisen aneignen. Persönliches Wachstum und soziale Kompetenz werden so gefördert.
Die unterschiedlichen methodischen Ansätze und persönlichen
Kompetenzen der Mitarbeiterinnen in der Wohngruppe (der Mitarbeiter hat eine gestalttherapeutische Ausbildung, die Mitarbeiterin
eine systemische) erweitern die Möglichkeiten in der praktischen Tätigkeit. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Sichtweisen erweitert den individuellen fachlichen Horizont. Die spezifisch weibliche und spezifisch männliche Perspektive eröffnen die Möglichkeit
geschlechtsrollenspezifischer Interventionen.
Der systemische Ansatz ist in der Einzelarbeit, in der Arbeit mit
der Wohngruppe, mit dem System der Freunde, der Clique und natürlich mit dem Herkunftssystem sehr wirksam. Verhalten wird er154