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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 118 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Silvia Musch-Grau und Wolf Ritscher
• Elisabeth Müller, geb. 1918, gestorben 1970, Mutter von Anneliese
Schmitt und ihrem älteren Bruder Hans, Großmutter von Sarah.
Kindheit: Wuchs in einer Bauernfamilie zusammen mit 17 Geschwistern auf, der Vater verstarb kurz nach Kriegsende, ein Bruder wurde
bei einer unerlaubten Ernte 1945 auf seinem eigenen Feld erschossen.
Erwachsenenalter: War viele Jahre krank und pflegebedürftig, konnte
deshalb die Kinder nicht versorgen; zu den drei Kindern aus der ersten Ehe hatte sie nach der Scheidung keinen Kontakt mehr; zweite
Heirat mit Franz Müller 1955.
• Franz Müller, geb. 1901, gestorben 1985, Vater von Anneliese; lebte von
1957 bis 1969 mit Elisabeth, Anneliese und Hans zusammen, war gegenüber allen gewalttätig; Heirat mit Elisabeth 1955.
• Hans Müller, geb. 1945, älter Bruder von Anneliese, Beruf unbekannt,
arbeitslos; wird als »Sonderling« bezeichnet, leidet unter Zwängen
und fühlt sich seit Jahren schwer krank; würde sich gern von seiner
Schwester pflegen lassen, denn die beiden haben ein gutes Verhältnis
miteinander.
Sämtliche Kontakte zwischen Herrn Schmitt und seiner Herkunftsfamilie sind abgebrochen. Frau S. hat hingegen ein enges Verhältnis
zu ihrem Stiefbruder. Zu ihrer Mutter hatte Frau S. ein gutes Verhältnis, während sie ihren Vater vehement ablehnte.
Beim Soziogramm sticht ins Auge, dass Herr Schmitt relativ »beziehungslos« innerhalb des Familiensystems zu sein scheint, während seine Frau sehr enge Beziehungen mit Tochter Sarah, der verstorbenen Mutter und ihrem Stiefbruder verbinden. In jeder dieser
Beziehungen spielt bzw. spielte Frau Schmitt die Rolle der Pflegenden
und Zuwendung Gebenden.
Das Verhältnis von Frau Schmitt zu ihrem verstorbenen Vater ist
von Hassgefühlen und Ablehnung geprägt. Die Beziehung zwischen
Sarah und ihrem Vater wird ebenfalls als sehr konflikthaft beschrieben und legt die Hypothese der intergenerativen Neuinszenierung
des Vater-Tochter-Konfliktes bei gleichzeitig enger Bindung von Mutter und Tochter nahe.
Die sehr enge Beziehung zwischen Sarah und ihrer Mutter,
scheint eine Wiederholung der Konstellation zwischen Frau Schmitt
und ihrer Mutter zu sein.
Die Paarbeziehungen scheinen in der Großelterngeneration ähnlich problematisch oder distanziert gewesen zu sein wie in der Ehe
von Sarahs Eltern. Im Sinne Minuchins (1977) handelt es sich um ein
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