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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 110 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
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Silvia Musch-Grau und Wolf Ritscher
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• Das von Helm Stierlin entwickelte Konzept der Beziehungsmodi beschreibt langfristige Beziehungsstrukturen, die »das Zusammenspiel
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und/oder die relative Dominanz von zentrifugalen und zentripetalen
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Kräften zwischen den Generationen wider(spiegeln)« (Stierlin 1982,
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S. 48). Die Beziehungsmodi »Bindung« und »Ausstoßung« entsprechen den verdeckten Grundmustern, die hinter den offen zu beobachtenden Eltern-Kind-Interaktionen liegen. Der Begriff der Bindung
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bezeichnet eine intensive psychische Nähe der Familienmitglieder,
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welche den langfristigen Zusammenhalt des Systems garantiert.
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»Ausstoßung« als dialektischer Oppositionsbegriff bezeichnet in seiner extremsten Ausformung die Negierung des Existenzrechtes eines
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Familienmitglieds im System. Zwischen diesen beiden Polen gestalten die Familienmitglieder ihre Beziehungsdynamik. Chronifiziert
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sich diese an einem der beiden Pole, wird die »bezogene Individuation« (Stierlin 1994) nicht nur der Kinder, sondern aller Familienmitglieder als koevolutiver Prozess erschwert. Es ergeben sich im Fall der
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Bindung die »Trennung in der Bezogenheit«, im Fall der Ausstoßung
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die »Bezogenheit in der Trennung« (vgl. Ritscher 2002a). Mit dem
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Begriff »Delegation« beschreibt Stierlin eine Dynamik, die durch elterliche Aufträge entsteht; sie enthält gleichzeitig bindende und ausstoßende Elemente. Delegieren bedeutet in der Ableitung aus dem Lateinischen »hinaussenden«, »mit einer Mission bzw. einem Auftrag
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betrauen«. Delegationen sind zunächst sinnvoll, denn elterliche Aufträge erschließen den Kindern die Möglichkeit, durch ihre Beiträge
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zum Erhalt des Systems auch eine eigene existenzielle Wichtigkeit
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und Bedeutung zu gewinnen. Dies sind wesentliche Voraussetzungen für die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes und Selbstwertgefühls (vgl. Satir 1989) und der Sinnerfahrung in der eigenen
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Existenz (vgl. Frankl 1975). Sind Aufträge allerdings altersspezifisch
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unpassend, zu extrem oder widersprüchlich, leidet die »bezogene Individuation« des Kindes und die wechselseitige Ablösung von Eltern
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und Kindern. Delegationen können als »Vermächtnisse« über Generationen hinweg weitergereicht werden (s. Stierlin 1980).
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• Ivan Boszormenyi-Nagy und Geraldine Spark beschreiben »unsichtbare
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Bindungen« als eine intergenerationale Dynamik von Loyalität, Verdienst und Vermächtnis; diese sehen sie als wesentliche Gestaltungskräfte der Familienbeziehungen. Mit Loyalität ist das individuelle
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Empfinden von Treue, Verantwortung und Zugehörigkeit dem Familienverband gegenüber gemeint. Loyale Familienmitglieder bemühen sich darum, ihre eigenen Interessen den Erwartungen der Familie anzupassen. Boszormenyi-Nagy und Spark gehen davon aus, dass
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in jedem Familiensystem eine unsichtbare, generationenübergreifende »Buchführung« über »Verdienste« und »Schulden« der Mit-
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