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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 103 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
5. Die Mehrgenerationenperspektive zu Beginn des Hilfeprozesses
tes falsch einzuschätzen. Das Konzept der Beratungszentren und das
im Folgenden beschriebene »Stuttgarter Umbauprojekt« sind von vielen Seiten kritisiert worden sowohl hinsichtlich des Konzepts als auch
seiner praktischen Umsetzung. Im Rahmen dieses Beitrags können
wir aber darauf nicht weiter eingehen.
1.2 Das Stuttgarter Umbauprojekt »Hilfen zur Erziehung«
Anlass des Stuttgarter Umbauprojektes »Hilfen zur Erziehung« (HzE
s. GRDrs 239/1998, 585/1999, 1025/2000, 1024/2000) war die
Fachdiskussion über eine notwendige Weiterentwicklung der Jugendhilfestrukturen. Es soll die Effizienz und Wirksamkeit der Erziehungshilfen steigern, und soll eine höhere Planungssicherheit erreicht werden: für die Träger hinsichtlich der Auslastung ihrer Kapazitäten, für
die Stadt im Hinblick auf die Kalkulation ihrer Finanzmittel. Durch die
Zuteilung eines Budgets soll der Kostenexplosion in der Jugendhilfe
Einhalt geboten werden.
Im Rahmen des HzE-Projektes übernimmt nun jeweils ein Träger, der so genannte Schwerpunktträger, die Gesamtverantwortung
für einen der Stuttgarter Jugendamtsbereiche.
In der Vergangenheit hatten die Jugendhilfeträger ein differenziertes Angebot entwickelt, das sich weitgehend an den Paragraphen
2835 des KJHG orientiert. Nun wird eine völlig neue Konzeption verfolgt: Es wird in jedem Einzelfall in einem interdisziplinären Team
geprüft, worin der genaue erzieherische Bedarf besteht, und ein flexibles, maßgeschneidertes Angebot erstellt. Damit wurde ein Wechsel
von der Angebots- zur Nachfrageorientierung vorgenommen. Die
»Versäulung« der Jugendhilfe in vorgefasste einzelne Hilfemaßnahmen nach §§ 2835 KJHG wurde aufgebrochen zugunsten maßgeschneiderter sozialräumlicher Hilfen.
Früher mussten Kinder und Jugendliche oft weit entfernt vom Elternhaus stationär untergebracht werden, weil in wohnortnahen Einrichtungen keine freien Plätze vorhanden waren. Die Folge waren
Schulwechsel, der Bruch von Freundschaften und eine wachsende
Entfremdung zwischen Eltern und Kindern bis hin zu Kontaktabbrüchen. Eine intensive Elternarbeit der Einrichtung war in der Regel
nicht möglich. Damit war eines der wesentlichen Ziele der Jugendhilfe infrage gestellt die Hilfe in absehbarer Zeit wieder überflüssig
zu machen (s. KJHG § 37, 1).
Im HzE-Projekt sind die Angebote des Schwerpunktträgers bewusst im Stadtteil oder der näheren Umgebung angesiedelt. Dadurch
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