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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 93 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
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4. Der Erstkontakt mit Klienten und Klientinnen im Rahmen der öffentlichen Jugendhilfe
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Kind sollte unbedingt zur ärztlichen Untersuchung ins Krankenhaus,
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es scheint im linken Schulterbereich verletzt. Was es genau hat, wird
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man erst feststellen können, wenn die Schwellungen abgeklungen sind.
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– Und Sie, Frau M., sollten gleich mitgehen. Auch Sie brauchen eine
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ärztliche Behandlung.« Die Frau schaut den Mann an. Der reagiert
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nicht. Die Sozialarbeiterin zur Frau: »Sie sollten auch gehen. Sie sollten
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vor allem Ihren Sohn jetzt nicht allein lassen.« Der Notarzt ruft einen
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Rettungswagen. Bis der Wagen kommt, herrscht Stille. Zwischendurch
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erzählt der Notarzt etwas von dem, was er an diesem Tage schon alles
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erlebt hat.
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Der Rettungsdienst klopft. Der Mann macht auf. Die Rettungsfahrer
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legen das Kind auf eine Bahre und verlassen die Wohnung. Die Mutter
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humpelt hinter ihnen her. Die Sozialarbeiterin: »Ich gehe mit Ihnen.«
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– »Ist nicht nötig. Ich komme schon klar.« – »Ich komme mit. Es gibt
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bestimmt einiges zu regeln.« Der Notarzt geht als Letzter. Der Sozialarbeiter atmet einmal tief durch. Der Vater lehnt am Küchentisch: »Zeigen Sie mich jetzt an?« – »Nein, ich werde Sie nicht anzeigen. Das ist
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nicht meine Aufgabe. Ihre Frau kann Sie anzeigen. Die Klinik kann die
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Staatanwaltschaft informieren, je nachdem, was ist. Für mich ist wichtig
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und ausschlaggebend, dass Ihr Kind erst einmal in Sicherheit ist und die
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ärztliche Behandlung bekommt, die es jetzt braucht. Ich würde und werde mich aber an das Familiengericht wenden, wenn Sie im Laufe der
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Zeit weiterhin eine Gefahr für das Kind darstellen und sich nicht bereit
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zeigen, Ihre Lebenssituation so zu ändern, dass sich Katastrophen wie
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diese nicht wiederholen.« – »Was geschieht denn jetzt?« – »Sie meinen
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außer der ärztlichen Versorgung Ihrer Frau und Ihres Sohnes?« – »Ja.«
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– »Das kann ich jetzt nur so weit sagen: Wir werden uns in den nächsten
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Tagen zusammensetzen müssen, um uns über weitere und andere
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Schritte der Hilfe für Sie und Ihre Familie klar zu werden. Dabei wird
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es auch eine Rolle spielen, wie es um Ihren Sohn steht.« – »Der hat doch
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selber Schuld. Immer wieder stört oder quengelt er. Dann will ich ihn
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zur Ruhe bringen. Dann geht meine Frau dazwischen. Und dann passiert das, was Sie jetzt gesehen haben.« – »Wissen Sie, ich kann so etwas
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kaum noch hören. Und ich denke, Sie wissen im Grunde Ihres Herzens
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genau, dass ein Kind von drei Jahren …« – »Zweieinhalb.« – »… und erst
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recht von zweieinhalb Jahren keine Verantwortung für solch ein Geschehen haben kann. Vielleicht müssen Sie erst noch lernen, was ein
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Kind in dem Alter können kann. Wir werden sehen. Stellen Sie sich vor,
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ein Fremder würde Ihr Kind schlagen.« – »Den würde ich umbringen.«
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– »Sehen Sie, so lieben Sie Ihr Kind. Und dann schlagen Sie es? Ich verstehe das nicht. Aber wir werden über alles reden, und Sie werden, wenn
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Sie das wollen, die Hilfe bekommen, die Sie brauchen. Ich schlage vor,
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dass wir jetzt einen Termin ausmachen, an dem Sie mich in meinem
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