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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 90 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Friedhelm Kron-Klees
mand davon erfahren wird, dass Sie es waren, der mich auf die Not dieser
Familie aufmerksam gemacht hat.« »Ihnen gegenüber ist mir das
egal.« »Danke. Sie als Nachbar sind ja auch viel näher dran an der Familie und können mir vielleicht auch guten Rat geben, wie ich jetzt vorgehen soll.« »Ich weiß nicht.« »Also noch einmal: Wo wohnen Sie
denn?« »Ach ja. Das ist die …straße, Nr. …« »Ja, da bin ich also wirklich zuständig.« »Ein Glück, dass ich den Richtigen erreicht habe.«
»Wenn ich Sie richtig verstanden habe, haben Sie die Befürchtung, dass
dem Kind Gewalt angetan wird.« »Ja, die Befürchtung habe ich.«
»Wie ist es denn jetzt? Ist es oben wieder ruhig?« »Ja, jetzt ist wieder
Ruhe, eine unheimliche Ruhe, finde ich.« »Wie oft ist denn der Lärm
zu hören, mehrmals am Tage oder alle paar Tage?« »Das ist schon
mehrmals die Woche, manchmal auch zwei- oder dreimal am Tag. Wissen Sie, die wohnen ja noch nicht lange da. Drei Monate. Ich habe auch
schon einmal die Polizei angerufen. Die kam dann, da war gerade wieder
Ruhe. Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, haben die nur ein paar Fragen gestellt und sind wieder gegangen.« »Nach Ihrer Meinung wäre es
also gut, wir würden jetzt unmittelbar schauen, wie es um das Kind und
die Familie bestellt ist.« »Ja, das würde mich sehr beruhigen.« »Nach
dem, was Sie mir geschildert haben, halte ich es ebenfalls für erforderlich, sich Sorgen um das Wohl dieses Kindes zu machen. Also, ich werde
die Familie, so schnell es geht, mit einer Kollegin aufsuchen, um zu
schauen, was zu tun ist. Ihnen möchte ich noch einmal dafür danken,
dass Sie die Zivilcourage aufgebracht haben, bei uns anzurufen. Ich hoffe, dass Ihr Anruf eine Art Brücke der Hilfe für die Familie wird. Vielen
Dank. Wie heißt denn die Familie? Ich muss ja wissen, wo ich klingeln
muss.« »Die haben keinen Namen an ihrer Klingel, und ich weiß nicht,
wie die heißen. Haben sich mir nicht vorgestellt. 3. Stock, rechts. Wenn
Sie nicht reinkönnen, klingeln Sie bei mir. Mein Name ist R.« »Vielen
Dank, Herr R.« »Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben und
dass Sie etwas tun wollen. Hören Sie? Es geht gerade wieder los. Ich
höre den Mann brüllen. Können Sie das hören?« »Ja, ich höre im Hintergrund die Stimme eines Mannes. Klingt sehr aggressiv. Also, ich mache mich mit einer Kollegin so schnell wie möglich auf den Weg.«
Der Sozialarbeiter steht mit seiner Kollegin (beide zusammen ein
erfahrenes Team für Kriseninterventionen) vor der Wohnungstür der
betroffenen Familie. Einlass ins Haus hatten sie über den Rentner,
Herrn R., der auf die Familie aufmerksam gemacht hatte. Die Klingel
scheint abgestellt, oder sie ist kaputt. Sie hören die nicht sehr lauten
Stimmen eines Mannes und einer Frau. Die Stimme des Mannes klingt
vorwurfsvoll, die der Frau eher klagend. Nach mehrmaligem, immer
lauteren Klopfen wird die Tür geöffnet. Der Mann (hager, rötliches Gesicht, zerzauste Haare, billiger Sportanzug, rote Turnschuhe, braune
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