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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 76 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Cornelia Jager
entiert werden. Dann können die Betroffenen ihre festgefrorenen defizitorientierten Fremd- und Selbstzuschreibungen aufgeben und sich als Menschen mit Optionen in der Zukunft erleben.
Die Entwicklungsprozesse, die sich auf diese Weise in menschlichen Systemen in Gang setzen lassen, sind nicht vorhersagbar, nicht planbar, dafür aber lebendig und an die Bedingungen des Rat suchenden Familiensystems optimal angepasst. Die Betroffenen können Lösungen kreativ mitgestalten und sind somit in hohem Maße motiviert, eigene Ziele umzusetzen, was langfristig die Aussicht auf Erfolg erhöht. Die bisherigen knapp siebenjährigen Erfahrungen zeigten eine z. T. verblüffende Aktivierung der Betroffenen bei der Entwicklung von Lösungen. Außerdem hat der ASD die überraschende Erfahrung gemacht, dass allein schon die Tatsache eines hohen personellen Kräfteeinsatzes während einer Teamberatung ausreicht, um die persönlichen Ressourcen zu aktivieren bzw. die Akzeptanz der ausgehandelten Lösungen bei den Betroffenen zu stärken. Die unmittelbare Teilnahme der betroffenen Familienmitglieder fördert die Transparenz des Verfahrens, da die Einschätzung der Teammitglieder in einem für sie offenen Austausch erfolgt. Die Familienmitglieder erfahren, dass es unterschiedliche Deutungen und Einschätzungen der familiären (Problem-)Situation auch unter den Fachkräften im Team gibt und Lösungen zwischen allen Beteiligten ausgehandelt werden müssen. Dank der systemischen Sichtweise und des systemisch orientierten methodischen Handelns werden wichtige Prinzipien des SGB VIII verwirklicht: Kooperation, Gleichberechtigung aller am Prozess Beteiligten, Transparenz des Geschehens, komplexe, differenzierte Problemanalyse als Grundlage für ein an der Bedürfnislage der Betroffenen zugeschnittenes Hilfeangebot. Die Reaktion der an den Teamberatungen beteiligten Betroffenen (von 1997 bis 2003 insgesamt 920 Teamberatungen, davon 80,4 % mit Betroffenen) wurden ausgewertet. Dies geschah u. a. auf einer Fachtagung der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit Dresden im Mai 2001 anhand von auf Video aufgenommenen Interviews mit Eltern, Kindern und Jugendlichen, die an solchen Teamberatungen teilgenommen haben. Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv und bestätigten nochmals ausdrücklich die Wichtigkeit und Wirksamkeit der Teilnahme für die Betroffenen (Neufeldt 2003).
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