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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 75 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
3. Sozialräumliche Orientierung, Partiziption und Case Management in der Arbeit des ASD
• Das Reflektierende Team: Beim Reflektierenden Team hören die Teammitglieder und die Familienmitglieder sich gegenseitig zu und nehmen jeweils zum Gehörten Stellung, sprechen aber nicht miteinander. Da die Betroffenen nicht direkt angeredet werden, fühlen sie sich
nicht aufgefordert, sofort zu reagieren, um sich zu verteidigen, sondern haben Zeit, die gehörten Äußerungen auf sich wirken zu lassen,
sich selbst neue Fragen zu stellen und damit neue Sichtweisen zu entwickeln. Die zuständige Sozialarbeiterin beobachtet und interveniert
nicht von außen, sondern als Teil des Reflektierenden Teams, also eines speziellen Systems, das sie mit konstruiert.
Dieser Form von Teamberatung liegt die Überlegung zugrunde,
dass Veränderung optimal da entstehen kann, wo es »einen Freiraum
für den Gedankenaustausch zwischen zwei oder mehreren Menschen gibt«, die einem unterschiedlichem System angehören (hier
Familie, Beratungssystem und ASD-Fachteam), »und […] die individuelle Integrität […] aller gesichert ist« (Andersen nach von Schlippe
u. Schweitzer 1996, S. 199).
Die Sozialarbeiterinnen im Reflektierenden Team haben die Aufgabe, ihre Einschätzung der Situation ehrlich, kurz und präzise zu äußern. Dabei sollten Wiederholungen vermieden werden. Dabei ist es
sehr wichtig, Bedenken und Unsicherheiten nicht zurückzuhalten.
Das ist zunächst schwierig, weil man eventuell fürchtet, die anwesende Familie zu verletzen. Dennoch muss über eine Hilfe entschieden
werden, und dies kann nur auf der Grundlage dessen geschehen, dass
alle ihre Meinung ehrlich sagen. Sie dürfen, solange es sich nicht um
Kindeswohlgefährdung handelt, nicht bewertend sein, sondern müssen auch bestärken und ermutigen.
5. Zusammenfassende Betrachtung
Als Ziele der Teamberatung mit dem Reflektierenden Team als Kern
lassen sich festhalten:
• Die zuständigen Sozialarbeiterin soll Anregungen und Orientierung
für die weitere Arbeit mit der Familie erhalten und sich der Unterstützung des Teams gewiss sein.
• Die Partizipation der Familie an den Entscheidungen im Hilfeprozess
soll gesichert werden. Das ermöglicht den Familienmitgliedern ein
Gefühl der »Selbstwirksamkeit« (s. Grawe 2000) und des Selbstwertes, was zirkulär die Selbstorganisationskräfte des Systems stärkt.
• Die Dynamik der Beziehung zwischen Sozialarbeiterin und Familie
im Hilfesystem soll an den systemischen Grundhaltungen Blick auf
Ressourcen und Lösungen, Neugier und gegenseitiger Respekt ori-
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