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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 41 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe Eine Skizze
geraten. Andererseits wird das Geld immer knapper, und man kann
erwarten, dass sich die Stimmen mehren werden, die sich für eine
Kosten einsparende Novellierung des KJHG aussprechen. Entsprechende Verlautbarungen gab es im März 2004 schon von den Landesregierungen Bayerns und Nordrhein-Westfalens. Diese interessante Allianz legt die Frage nahe, wie groß eigentlich noch die Unterschiede zwischen den beiden großen Parteien und ihren jeweiligen
Bündnispartnern hinsichtlich Sozial-, Wirtschafts- und Umweltpolitik sind.
Nun ist es unbestreitbar: Mehr Geld bedeutet nicht unbedingt
mehr Qualität, aber auch im Jugendhilfebereich wurde in den letzten
Jahren eine beachtliche Optimierung hinsichtlich der Relation zwischen aufgewendeten Mitteln und erfolgreichem sozialarbeiterischem
Handeln erreicht. Eine weiterer Druck in dieser Richtung führt m. E.
zu einer Trendwende weniger Qualität durch weniger Mittel. In vielen Bereichen der Sozialen Arbeit ist diese schon eingeläutet worden.
Wir sollten in diesem Zusammenhang immer wieder bedenken
und im politischen Raum offensiv vertreten, dass eine kostenreduzierende Qualitätsminderung sich schon mittelfristig kostensteigernd
bemerkbar machen wird.
Allerdings und das ist ein Problem unseres nach unterschiedlichen Budgets organisierten Politiksektors sind die Folgekosten
nicht unbedingt in dem Etat wahrzunehmen, der seine Investitionskosten für gesellschaftlichen Frieden und gesellschaftliche Wohlfahrt
gesenkt hat:
Weniger Ausgaben bei den Hilfen für junge Volljährige führen zu
einer Mehrbelastung des Justizhaushaltes (Stichworte: Gerichte
und Strafvollzug).
Weniger therapeutische Angebote durch Erziehungsberatungsstellen oder Aufsuchende Familientherapie belasten in der Folge die
Krankenkassen, wenn gefährdete Kinder und/oder ihre Eltern ernste, als psychosomatisch und psychiatrisch definierbare Störungen
entwickeln.
Weniger Schulsozialarbeit entlastet die Jugendhilfe (wenn sie dort
in Kooperation mit der Schul- und Stadtverwaltung beteiligt ist),
wird aber schwächere Schüler aus der schon prekären Schullaufbahn werfen und Berufsbildungsmaßnahmen der Bundesagentur
für Arbeit erforderlich machen.
Weniger Jugendtreffs in der Gemeinde werden die soziale Integration benachteiligter Jugendlicher noch schwieriger machen; viele
Bürger und Bürgerinnen werden dann eine verstärkten Polizeipräsenz auf Straßen und Plätzen fordern und diese kostet Geld, allerdings das des Innenministeriums.
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