2026-001/documents/systemische-kinder-und-jugendhilfe/pages/035.md

29 lines
2.5 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 35 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe Eine Skizze
mit Peers und den bevorzugten Medien (Musikanlage, Computer,
Fernseher) gestalten können.
Viele der genannten Orte sind kommerziell organisiert und erfordern entsprechende finanzielle Ressourcen. Sind diese nicht vorhanden, ist dies ein möglicher Beitrag zur gesellschaftlichen Marginalisierung. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko der Kindheit und
Jugend. Die Marginalisierung der Kinder hängt noch sehr stark mit einer gesellschaftlichen Unterprivilegierung ihrer Familien durch Armut, Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildung und Ausbildung, Verlust eines Elternteils (meistens des Vaters) durch Trennung und Scheidung,
schlechte Wohnverhältnisse usw. zusammen. Marginalisierung im Jugendalter gründet daneben auch auf eigenen Entscheidungsanteilen
der Jugendlichen. Baacke spricht in diesem Zusammenhang von
»drop out« (»Verzicht, an dieser Gesellschaft teilzunehmen, den Rückzug in einen Verhaltensbereich, in dem jeder tun und lassen kann, was
er will«, 2003, S. 269) und »Selbstausbürgerung« der Jugendlichen:
»[…] es handelt sich häufig um wortlose, kommunikativ nicht vermittelte oder vermittelbare Ausbrüche oder Fluchten. Die Sprache geht
nach innen, jeweils nur in den eigenen Kreis, in die Reihe derer, die
schon Gesinnungsgenossen sind« (ebd., S. 272).
5.3 Familiäre Lebensformen
Im Zuge der Individualisierung ist eine Pluralität der Lebensformen
entstanden, die sich auch auf die Familie erstreckt. Die bürgerliche
Kleinfamilie lebenslange Ehe, klassische Rollenverteilung (der
Mann als finanzieller, die Frau als emotionale Versorgerin im Familienalltag, mindestens zwei Kinder) ist nicht mehr der normative
Normalfall, sondern nur noch eine, wenn auch weiterhin die wichtigste Familienform unter vielen anderen. Die Stichworte: Einelternfamilien, Patchworkfamilien, Familienwohngemeinschaften, homosexuelle Elternpaare mit Kindern, Lebenspartnerschaften ohne Trauschein, aber mit Kindern, Lebensabschnittspartnerschaften mit
Kindern aus diesen sukzessiven Verbindungen, Wochenendfamilien,
in denen Vater oder Mutter die ganze Woche über an einem anderen
Ort der Erwerbsarbeit nachgeht. Die zeigt eine Vielfalt, die noch vor
50 Jahren undenkbar gewesen wäre. Jugendhilfe muss diese familialen Lebensformen als Kontexte heutiger Kindheit und Jugend berücksichtigen; nicht die Herstellung einer bestimmten Familienform ist
ihre Aufgabe, sondern die Sicherung des Kindeswohles in der von den
35