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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 33 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe Eine Skizze
der noch nicht im vollen Umfang dem Leistungs- und Perfektionsstress der Erwachsenenwelt ausgesetzt sein.
Der zentrale Begriff heißt in diesem Zusammenhang: Lernen:
»Das eigentliche Lernen besteht […] im Erwerb von Dispositionen, d. h.
von Verhaltens- und Erfahrungsmöglichkeiten. Der psychologische
Begriff des Lernens schließt nicht nur das durch Unterricht absichtlich
und planvoll organisierte Lernen ein. Lernen ist auf keinen Entwicklungsabschnitt beschränkt. Lernen meint nicht nur den Erwerb einzelner, isolierter Dispositionen, sondern auch den Aufbau einer Persönlichkeit durch Aneignung der menschlichen Kultur in einem individuellen Lebensweg« (Edelmann 1988, S. 393). Lernen geschieht nach
dem Prinzip der stufenförmigen Entwicklung und Individualisierung:
Sowohl das Lebensalter als auch die persönliche Begabung werden als
Referenzpunkte für die stetig wachsenden Ansprüche der Erwachsenenwelt an das Kind gesehen. Zugleich werden dem Kind auch eigene
»kindliche« Bedürfnisse zugestanden, und es soll eine Individuation
stattfinden, in der eine Vermittlung zwischen den Wünschen und
Möglichkeiten des Kindes und den kulturellen Anforderungen erreicht wird.
Helm Stierlin hat diese auf das Individuum gerichtete Perspektive
im Konzept der »bezogenen Individuation« (Stierlin 1994) erweitert.
Darin wird betont, dass Individuation nur in Beziehungssystemen
stattfindet und jede subjektive Struktur zugleich eine soziale ist.
Kindheit wird heute vor allem durch den Bezug auf die Lebenswelt
der Kinder definiert. Kinder wachsen zunächst familienbezogen auf,
aber schon früh erweitert sich ihr Erfahrungsspielraum um Kindergarten, Schule, Freundinnen sowie Lern-, Erfahrungs- und Bildungsorte
jenseits dieser sozialisierenden Mikrosysteme. Solche sind z. B. Krabbel- und Kleinkindgruppen, örtliche Musikschulen, andere Kulturbzw. Bildungseinrichtungen für Kinder, die Familien der Peers, Brieffreundschaften (z. B. über Internet), eher traditionelle Kindergruppen
in der religiösen Gemeinde und Vereine. In diesem Zusammenhang
wird auf die »Verinselung« der Kindheit (siehe Engelbert 1988) aufmerksam gemacht. Die genannten Orte sind innerhalb der Lebenswelt
des Kindes nicht miteinander verbunden und können nicht eigenständig, sondern nur mit Hilfe der Erwachsenen erreicht werden. Damit
werden einerseits Erfahrungen jenseits der Familie und somit Unabhängigkeit gefördert, andererseits bedeutet dies aber eine neue (auch
psychische) Abhängigkeit von den Eltern durch deren Leistungen
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