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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 19 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
1. Systemische Kinder- und Jugendhilfe Eine Skizze
bezirksbezogenen Organisation des ASD, hat Vorteile: »Die Sozialarbeiter kennen somit die Lebensverhältnisse, die Bedürfnisse, Interessen und vorherrschenden Probleme der Bürger, die wirtschaftliche Lage, die psychosoziale Infrastruktur und die Entwicklungstendenzen in
ihrem Bezirk genau und können sinnvoll, zweckmäßig und rationell
auf sie reagieren« (Textor 1994b, S. 11). Der Nachteil der »Allzuständigkeit« besteht in einer enormen Arbeitsbelastung, Mehrfachzuständigkeiten und Zuständigkeitskonflikten und der Gefahr eines »generalistischen Dilettantismus«. Auch die in dieser Struktur notwendige
Etablierung von Spezialdiensten mit für diese Aufgaben zusätzlich
qualifizierten Fachkräften (z. B. des Spezialdienstes Sozialpädagogische Familienhilfe mit systemisch ausgebildeten Sozialarbeiterinnen)
hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil der Spezialdienste ist die spezifische Kompetenz für die Aufgabenstellung und die Möglichkeit der Bezirkssozialarbeiterin, die solche Hilfen benötigenden Menschen mit
gutem Gewissen an sie verweisen zu können. Der Nachteil ist eine
mögliche Dequalifizierung des ASD, der für alle schwierigeren Fragen
sofort einen zusätzlichen Dienst einschalten muss und in schwierigen
Fällen bzw. Situationen allein nicht weiterkommt. Alles, was dann nach
dem Erstkontakt mit dem Etikett Beratung, Therapie, Hilfen zur Erziehung versehen wird, geht in andere Verantwortlichkeiten über. Häufen
sich solche Erfahrungen, in Kombination mit chronischer Überbelastung, schlechter Bezahlung, wenig Aufstiegsmöglichkeiten, ständigem
Druck der Leitungsinstanzen hinsichtlich Kostenreduktion und mehr
Arbeit in der gleichen Arbeitszeit, wird die Arbeitsmotivation und damit die Effizienz leiden. Ein Mittel gegen diese Frustration liegt in der
Nutzung der ASD-Position als zentraler Stelle innerhalb des Hilfenetzwerkes der Kommune. Der ASD könnte über ein Konzept des systemischen Case Management sich selbstbewusst als koordinierender zentraler Knoten in diesem Netzwerk definieren (s. Jager in diesem Band).
Nötig sind dafür Kompetenzen in der sozialen und psychosozialen Diagnose (Heiner 2001, 2004), der systemischen Gesprächsführung, der
Moderation von runden Tischen und Helferinnenkonferenzen sowie
eine gute Kenntnis der kommunalen Infrastruktur. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Neustrukturierung der Sozialdienste, durch die
der ASD mit Beratungseinrichtungen zu einem eigenen Hilfesystem
verschmolzen und als zentraler Knoten eines Netzwerkes Sozialer
Dienste im Stadtteil bzw. in einer Kommune definiert wird (siehe
Musch-Grau u. Ritscher in diesem Band). Damit werden ganz im Sin-
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