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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 16 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
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Wolf Ritscher
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gebenden oder empfangenden Personen. Ströme, in denen es letztlich
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um Geld, Profit, Macht, Prestige und effektive Platzierung der Arbeitskraft als möglichst billiger Ware geht.2 Der Ort wird durch den Standort des Computers definiert, der Informationen sendet oder empfängt,
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nicht als soziokultureller Raum, der von konkreten Menschen gestaltet
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wird, die sich durch ihre je eigene Biografie von allen anderen unterscheiden. Im »Raum der Ströme« herrscht die »zeitlose Zeit«; – man
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lebt zwar in Stuttgart, via Internet aber ist man gleichzeitig mit verschiedenen Personen an verschiedenen Orten verbunden, so als ob
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man sich selbst dort befinden würde – eine gesellschaftlich geförderte
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Schizophrenie. Die Verbindung wird durch den Austausch von Informationen hergestellt; von wo sie kommen und wohin sie gehen, spielt
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primär keine Rolle. Wichtig ist nur die Verwertbarkeit der Informationen für den Zweck, den die Netzwerklogik vorgibt. Z. B. interessiert
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sich das weltweite Netzwerk der Börsenspekulanten nur für Informationen, durch die Geld zu mehr Geld wird. Die solche Informationen
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sendenden oder empfangenden Personen werden auf diese – von der
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Netzwerklogik vorgegebene – Funktion reduziert. Als Personen sind
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sie unwichtig, die Funktion allein zählt. Es könnten auch ganz andere
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Personen sein, und wenn der Zweck des Austausches erreicht ist oder
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sich die Informationen bestimmter Personen als wertlos erwiesen haben, werden sie abgeschaltet – dann ist der Faden gerissen. Man wird
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an die Analysen von Karl Marx – in diesem Fall an sein Konzept der
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Entfremdung – erinnert, und ich halte dies für immer noch sehr aktuell. Netzwerke vom Typus »Raum der Ströme« dominieren zunehmend die Ökonomie und über sie auch die anderen gesellschaftlichen
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Sektoren – Politik, Kultur und Wissenschaft. Sozialarbeit hat es häufig
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mit Menschen zu tun, die von diesen Netzwerken abgehängt werden,
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durch Arbeitslosigkeit, Armut, Behinderung, Bildungs- und Ausbildungsdefizite oder Schwierigkeiten im sozialen Kontakt. Sie können
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sich aber nicht mit guten Gefühlen auf den »Raum der Orte« zurückziehen, weil ihnen auch hierzu die Ressourcen fehlen. Der Zugang zu
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den öffentlichen Räumen des Gemeinwesens ist erschwert, weil das
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Geld fehlt, wegen der Scham über die eigene Benachteiligung, wegen
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mangelnder kommunikativer Kompetenz. Auch die Familie als Leitsymbol des privaten Raumes ist in ihrer Funktionsfähigkeit bedroht.
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2 Der »informationelle Kapitalismus« (Castells 2003a, 1983 ff., 169 ff., 491 ff.) bestätigt
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in vieler Hinsicht – nicht in jeder – die Analyse des Kapitalismus durch Karl Marx.
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