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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 12 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Wolf Ritscher
temischen Modells sozialer Systeme dargestellt (Ritscher 2002a,
2004b), die in ihrer Gesamtheit als Dach der Sozialen Arbeit und damit auch der Kinder- und Jugendhilfe dienen können. Von diesen
möchte ich hier nur einige darstellen.
2.1 Beziehung als Primum Movens
Für das Verständnis der sozial handelnden Personen ist nicht der Einzelne (der eine oder der andere) entscheidend, sondern die von ihnen
hergestellte Beziehung: Das Tun des Einen ist das Tun des Anderen
(Stierlin 1972). Auf unser Thema gewendet, heißt dies: Kinder sind
immer als Teil ihrer primären Beziehungssysteme und ihrer Lebenswelt (s. Lippitz 1992) zu sehen. Das gilt sowohl für die Gestaltung
ihres Alltages und der diesen unterstützenden Angebote (z. B. Kindergärten, Jugendtreffs, mobile Jugendhilfe) als auch für die Beschreibung von Entwicklungs- und Übergangskrisen und die hier bereitzustellenden »Hilfen zur Erziehung«. Alles Verhalten und alle Symptome bzw. Auffälligkeiten von Kindern sind als Beziehungsbotschaften und Ausdruck kommunikativer Verwicklungen zu lesen und auf
die Systeme, in denen sie gezeigt werden, zu beziehen.
2.2 Das Beobachtungssystem als Einheit
von Beobachterin und Beobachtetem
Alle systemischen Wahrnehmungen, Beschreibungen, Analysen und
Erklärungen sind an die zirkuläre Beziehung zwischen der beobachteten bzw. beschreibenden Sozialarbeiterin und den von ihr beobachteten bzw. beschriebenen Menschen (z. B. einem »auffälligen« Kind),
Tieren, Pflanzen usw. gebunden. Jede Wahrnehmung bzw. Beobachtung bzw. Beschreibung ist also ein Beziehungsereignis, innerhalb
dessen die gewonnen Informationen Sinn und Bedeutung gewinnen.
Alle Informationen, die sie von den Eltern eines »auffälligen« Kindes
erhält, sind an den Kontext des Gespräches gebunden:
• Ort zu Hause wird die Familie anders über sich sprechen als in den
Räumen des Jugendamtes;
• Person und Geschlecht zu einer Sozialarbeiterin, die sich gleichzeitig als allein erziehende Mutter zu erkennen gibt, wird eine im Trennungsprozess befindliche Mutter vielleicht Vertrauen empfinden
und ihre Überlastung darstellen können;
• Zeit ein Reframing (s. Ritscher 2002 a, b) der Sozialarbeiterin kann
den Eltern das Verhalten ihres Kindes verständlicher machen und in
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