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316
Mädchen und Jungen Kraft gibt (8.5), ist es auch für uns der Sinn
unseres Tuns, der uns auf den Weg bringt oder auf dem Weg hält.
Die oben beschriebenen schützenden Umstände mildern das Ausmaß der potenziellen Belastungsfaktoren und schützen in gleichem
Maße die Mädchen und Jungen wie die psychosozialen Fachkräfte.
Der Anerkenntnis, dass diese den Hauptanteil der Traumaarbeit
leisten, muss die gesellschaftliche Anerkennung folgen.
Die gesellschaftlichen Bedingungen prägen die Möglichkeiten
der Begleitung von Menschen aus herausfordernden Lebensumständen. Pädagog *innen und psychosoziale Fachkräfte befinden
sich in einem prekären Spannungsfeld zwischen professionellen
Ansprüchen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Gesellschaftliche Anerkennung oder Missachtung von Traumatisierten hat
auch Auswirkungen auf das Helfer*innensystem. Stetig mangelnde
Achtung kann zu dem Verlust von Würde führen. Deswegen
werden sich die psychosozialen Fachkräfte, um ihre Würde zu bewahren, gesellschaftlich positionieren müssen: „Angesichts eines
fortschreitenden biologischen Reduktionismus in der Psychiatrie
und der fortschreitenden Medikalisierung der Psychotherapie,
die ihre psychosozialen Ursprünge durch die Störungsspezifität
immer weiter aufgibt, braucht es ein Zwischenglied zwischen den
Menschen, denen es schlecht geht, die das Risiko laufen, psychisch
zu erkranken oder psychischer Ungesundheit (mental illhealth)
ausgesetzt zu werden und den sozialen Gegebenheiten, die in dieser
Gesellschaft existieren“ (Rutz 2011, zit. n. Gahleitner/Pauls 2012,
S. 65), also Menschen, die sich der gesellschaftlichen Determiniertheit ihres Tuns bewusst sind und selbstbemächtigt handeln. Hier
und im institutionellen Handeln gilt es Prinzipien der Würde und
Anerkennung anzumahnen. Damit werden wir immer wieder in
Widerstand mit Strukturen und Menschen geraten und brauchen
Andere. So beschreibt Brückner Widerstand „[…]in Form einer
nur kollektiv zu entwickelnden Gegenidentität des einzelnen […]“
(Brückner 1983, S. 209). Die Fähigkeit zum Widerstand sei Zukunftsfähigkeit, Eigensinn und damit die Fähigkeit zur Selbstsorge
(Keupp 2014, S. 23). Ein Widerstand, der z. B. im beruflichen selbstbemächtigten Handeln gemeinsam mit dem Team, dem Netzwerk,
der Institution umgesetzt werden kann. Auf diesem Wege entwickelt