2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/309.md

2.1 KiB
Raw Blame History

309

Fachwissen z. B. über dissoziative Zustände nicht ausreicht, fehlen möglicherweise fachliche Hintergründe, um die Ursache der Verhaltensweisen zu erkennen. Die Pädagoginnen können in Bindungsfallen geraten. Vielleicht sind sie in traumatische Übertragungen/ Gegenreaktionen verwickelt und verlieren ihre Handlungsfähigkeit. Wenn nun Leitungen auf allen Ebenen diesen Schwierigkeiten gegenüber verständnislos reagieren, fehlt die Frage nach dem Guten Grund der Pädagoginnen. Die Übersetzung dieses Konzeptes auf die Beziehung Pädagoginnen/Leitungen bedeutet Folgendes: Ich habe Respekt vor Deiner Arbeitsleistung. Störende Verhaltensweisen, wie Abwehr, Ignoranz, Rückzug, unverständliche pädagogische Entscheidungen sind Ausdruck von erlebter Unsicherheit und dienen dem Erhalt von Sicherheit. Ich bin mit meiner Stabilität Teil des sicheren Ortes der Mitarbeiterinnen. Jeder hat jederzeit ein Recht auf Klarheit. Transparenz heißt vor allem auch den guten Grund des eigenen Handelns zu kennen und zu erklären.

Aufgabe aller Leitungsebenen einer Institution ist es „[…] für die Umsetzung der traumapädagogischen Standards mit der entsprechenden Grundhaltung auf allen Ebenen und für alle Menschen in der Einrichtung zu sorgen.“ (BAG TP 2011). Die traumapädagogische Grundhaltung gründet im weitesten Sinne auf eine ethische Grundlage, die Anerkennung, Würde und Mitgefühl impliziert. Sie kann dauerhaft wachsen, wenn diese ethische Kompetenz gefördert wird (Schirmer 2016). Mit dieser Sicherheit können alle Helfenden in Beziehung gehen, sich in Beziehungen riskieren. Schützend und stützend sind Leitungen dann, wenn sie die Kompetenz der Mitarbeiterinnen wahrnehmen und Selbstbemächtigung fördern. So fördert das AWZ die Partizipation und Selbstbemächtigung der Mitarbeiterinnen u. a. mit einer Pilotgruppe zur Implementierung der Traumapädagogik um „[…] die Inhalte der Fortbildung für alle Mitarbeiter zugänglich zu machen […] Ein besonderes Augenmerk soll auch auf die Förderung der Selbstfürsorge […] gelegt werden.“ (Wagner 2018, S. 14) Ihr