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306
werden können. Der Bedarf an traumasensiblen Konzeptionen für
die Kinder- und Jugendhilfe wird erstmals nach langjährigen Bemühungen aus Praxis und Forschung in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Alle Forschungen hierzu bestätigen eine größere Handlungssicherheit. Das verwundert nicht, weil traumapädagogisches
Fachwissen die Handlungssicherheit vergrößert oder wie ein Kollege
als Fazit seiner Weiterbildung zusammenfasste zum Handeln befreit. Und dennoch fehlen in vielen Einrichtungen pädagogische
Konzepte, die die Einsatzbereitschaft und die vorhandenen
Kompetenzen der Pädagog*innen bündeln. Schon seit längerem
werden z. B. im Kontext des Umgangs mit sexueller Gewalt
Konzepte, Handlungsanleitungen angemahnt. Pädagogische Handlungsoptionen mit gewaltbereiten Jugendlichen fehlen häufig ebenso
wie eine Idee zum Umgang mit Mädchen und Jungen, die mit dem
Begriff Systemsprenger ausgegrenzt werden (Schachtner/Weiß
2019). Auch die Chancen und Gefahren der digitalen Welt, z. B.
Rückzug aus der realen Welt werden oft ohne Plan hingenommen.
Auseinandersetzungen um diese Fragen partizipativ und auf
Augenhöhe sind Grundlage der Handlungswirksamkeit aller in
der Einrichtung Tätigen und somit auch für ihre körperliche und
mentale Gesundheit von Bedeutung. Und weil Konzepte von oben
in der Regel wirkungslos bleiben, ist ein Organisationsentwicklungsprozess nötig.
Traumasensible Organisationsveränderung
Eine traumapädagogische Organisationsveränderung fordert
alle und bedarf deswegen einer partizipativen Haltung: „Auf der
Ebene der Organisation ist eine offene Auseinandersetzung über
Macht-, Hierarchie- und Entscheidungsstrukturen immanent, da
sie Transparenz schafft ein Kernaspekt traumapädagogischer Entwicklungsprozesse.“ (Basedow/Peters 2019, S. 8). Wie weit sind,
z. B. die Gruppenleitungen an Entscheidungen beteiligt? Sie sind
das Scharnier zwischen Kolleg*innen und Leitungen, zwischen
Mädchen, Jungen und Leitungen, verantwortlich für konzeptionelle
Umsetzung in den pädagogischen Alltag und vieles mehr, sie sind