2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/305.md

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305
Ein funktionierendes Team hat auch die Funktion, sich überfordernde Kolleg*innen immer wieder an die eigenen Grenzen
zu erinnern. Wer Tag für Tag mit Kindern konfrontiert wird, die
besonders viel Zuwendung benötigen, läuft Gefahr sich zu überfordern. Diesem nötigen Korrektiv widerspricht oft die unter dem
realen Druck aufgestellte, unausgesprochene Norm, jeder möge
ungefragt möglichst viel für die Arbeit tun.
Kooperative Teamarbeit braucht Zeit. Ein interdisziplinäres
Team, in dem z. B. Sozialpädagogik, Heilpädagogik und die psychoanalytische Pädagogik vertreten sind, hat ein großes Spektrum an
Handlungsmöglichkeiten. Ein Team als Kraftquelle ist ein Ort, in
dem sich die Mitarbeiter*innen angenommen fühlen und in dem
Konflikte angesprochen und ausgetragen werden können. Doch die
Einstellungspraxis wird dem selten gerecht. In meiner Studie wird sie
als Hindernis für schützende Teamarbeit (Weiß 1999) beschrieben,
da die Teams an der Entscheidung über Einstellungen nicht beteiligt
werden. Alle Techniken für eine gute Kooperation sind unwirksam, wenn die Bereitschaft der Pädagog*innen dafür nicht besteht
bzw. sie nicht zusammenpassen. Nur eine Einflussnahme der Mitarbeiter*innen auf die Zusammensetzung ihres Teams kann das
korrigieren. Die oft praktizierte alleinige Entscheidung der Einstellung durch Leitung berücksichtigt zu wenig die Anforderungen
an das Team als Gesamtheit.
Konzeptionelle Sicherheit
In den letzten Jahren haben traumapädagogische Konzepte in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe Verbreitung gefunden.
Der deutschsprachige Fachverband Traumapädagogik16 veröffentlichte 2011 Traumapädagogische Standards für Einrichtungen der
Kinder- und Jugendhilfe (https://fachverband-traumapaedagogik.
org/standards.html, Abfrage 01.09.2023), die als Orientierung für
die Implementierung einer traumasensiblen Professionalität gelesen
16 2018 erfolgte auf Beschluss der Mitgliederversammlung die Umbenennung in
Fachverband Traumapädagogik.