2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/283.md

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283
und Supervision sei was Besonderes, was wir kriegen. Und sie berichten über Supervisor*innen ohne Feldkompetenz, die zum Teil
abenteuerliche Ratschläge erteilen:
„Der Supervisor war niemand, der sich mit Missbrauch auskannte. Das war ein
großes Manko. Der hatte auch keine Ahnung von Heimerziehung. Er hat uns
Sachen geraten, die unglaublich waren. Dass man irgendwelche Jugendliche in
Krisen stürzen soll, um sie dann wieder aufzubauen. Ich glaube, wenn wir das
gemacht hätten, Anna wäre uns aus dem Fenster gesprungen.“
Die Frage nach Feldkompetenz wird kontrovers diskutiert: Zu enge
Feldkompetenz beinhalte die Gefahr der mangelnden Distanzierung
und stelle die Subjektkompetenz in den Vordergrund. Andere halten
Wissen über das Feld für unabdingbar, um verantwortlich handeln
zu können. Feldkompetenz ist sicher nicht so eng zu fassen, dass
die Supervisor*in aus dem identischen Arbeitsfeld stammen muss,
dennoch ist es notwendig, dass sie/er das Berufsfeld kennt, um dort
fachgerecht supervidieren zu können (Remmel-Faßbender 2002).
Die Mehrheit der Pädagog*innen beschreibt zudem ein Leitungsvakuum auch im Hinblick auf den professionellen Umgang mit
Traumata. Sie erwarten von Leitungen Transparenz, Partizipation,
Übernahme von Verantwortung, konzeptionelle Unterstützung und
vernünftige Rahmenbedingungen. Die Pädagog*innen klagen über
mangelnde Wertschätzung für die Begleitung von Mädchen und
Jungen aus herausfordernden Leben. Ein Basiswissen über Traumata
fehle bei Leitungskräften, die deswegen einen professionellen Umgang mit traumatisierten Mädchen oder Jungen nicht wertschätzen:
„Ich wünschte mir mehr Rückhalt und Anerkennung für diese Art von Arbeit.
Wichtig ist immer noch, ob ein Schulabschluss oder eine Arbeit bei raus kommt,
das ist das Problem bei ganz vielen Jugendämtern. Da kriegt man Anerkennung
vom Chef oder vom Jugendamt. Was interessiert sie, ob ich mit der Jugendlichen
ein Trauma bearbeitet habe.“
Die Erfahrungen der vor mir befragten Kolleg*innen in der Kinderund Jugendhilfe entsprechen den Erfahrungen aus dem Arbeitskontext Folgen nationalsozialistischer Gewalt. Ihre Belastungen