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281
und gewalttätigen Gedanken, werden auf die Helfer*innen übertragen. Spezifische Übertragungs- und Gegenreaktionen können
aggressive, sadistische und gewalttätige Impulse auslösen und
institutionelle, irrationale, lähmende Krisen provozieren. J. L.
Herman berichtet von Spaltungen der Teams in einer Klinik infolge
der Patientengeschichten. Fast immer stelle sich heraus, „[…] dass
der fragliche Patient eine traumatische Vorgeschichte hat“ (Herman
1993, S. 210).
Kinder, die ihre Elternfiguren als liebevoll und böse erlebt haben,
spalten diese in die „gute“ und „böse“ Mutter. Dies prägt alle weiteren
Beziehungen dergestalt, dass immer wieder gute Menschen gesucht
und Menschen, die das Kind enttäuscht haben, bekämpft werden.
Teams werden aufgespalten in gute und schlechte Bezugspersonen.
Wenn sich ein Kind eine Pädagogin als Vertrauensperson aussucht,
kann dies zur Konkurrenz und zur Abwertung der Kollegin führen.
Die Identifizierung einer Pädagog*in mit dem Opfer führt vielleicht
dazu, dass diese Wut, Empörung, Frustration, Gereiztheit bis zum
heiligen Zorn (Herman 1993) spürt und ihre Gefühle gegen die
verständnislosen Kolleg*innen oder die Institution richtet. Das
Team und die Institution reagieren verständnislos, möglicherweise
selbst mit Ablehnung, Ärger und Wut.
Auch unterschiedliche Aussagen der Mädchen und Jungen über
die traumatischen Erlebnisse im Zusammenhang mit der Dynamik
von Erinnern und Verdrängen führen zu unterschiedlichen Bewertungen. Im Kontext von sexueller Gewalt ist die Frage nach der
Glaubwürdigkeit der Mädchen und Jungen eine Quelle von erheblichem Konflikt- und Belastungspotenzial (Roth 1997, S. 230). Aus
diesen Konflikten entstehen Spaltungen. Sie entstehen zwangsläufig
und sind kein Hinweis auf professionelles Versagen. Wenn die Kinder
sich widersprüchlich verhalten, kommt es zu unterschiedlichen Bewertungen und zu Konflikten im Team. Die Arbeitsbeziehungen der
einzelnen Funktionsgruppen, die aufgrund der unterschiedlichen
Arbeitsaufträge schwierig genug sein werden, können sich durch
unreflektierte Gegenreaktionen sehr verkomplizieren: