34 lines
1.9 KiB
Markdown
34 lines
1.9 KiB
Markdown
278
|
||
|
||
Die aggressive Gegenreaktion
|
||
|
||
Aggressive Gefühle der Mädchen und Jungen, die dem Täter oder
|
||
ihrer schwierigen Lebenssituation gelten, können bei Bezugspersonen Aggressionen – auch den belasteten Kindern gegenüber –
|
||
auslösen. Im Kontext von Therapie mit Traumaopfern verweist J.
|
||
L. Herman ausdrücklich darauf, dass die traumatische Gegenübertragung auch zu sadistischen Impulsen der Bezugspersonen führen
|
||
kann (Herman 1993, S. 199). Wird zusätzlich noch eine zunehmende
|
||
körperliche Aggression bei den Kindern beobachtet, kann das zu
|
||
Aggressionen der Pädagog*innen auf die ‚Schutzbefohlenen‘ bis hin
|
||
zu Hass führen. Sie lassen sich in eine aggressive Gegenreaktion
|
||
verwickeln:
|
||
„Es fällt ihnen, den Kindern, sehr schwer, aus dieser Rolle zu schlüpfen. Sie
|
||
sehen den Erzieher als Feind. Man kann pädagogisch sinnvoll reagieren, wenn
|
||
man als Erzieher gelernt hat, das zu ertragen. Man muss sich bewusst sein, dass
|
||
das nicht persönlich gemeint ist. Die Gefühle machen einem einen Strich durch
|
||
die Rechnung. Da muss man an der Aggression vorbeikommen und oft bleibt
|
||
man in der aggressiven Auseinandersetzung stecken.“
|
||
|
||
Die sexuelle Gegenreaktion
|
||
|
||
Kindliche Sexualität und die Suche nach der sexuellen Identität ist
|
||
ein Berührungspunkt zwischen den Mädchen und Jungen und den
|
||
Pädagog*innen. Der sexuelle Aspekt der Misshandlung spiegelt sich
|
||
dann in Gegenreaktionen wider und kann durchaus zu sexueller
|
||
Erregung der Pädagog*innen führen, die erschrocken verdrängt
|
||
oder verleugnet wird. Gerade in der Pädagogik fehlt die Übung,
|
||
erotische und sexuelle Anziehung zu thematisieren. Manchmal
|
||
gelingt es Pädagog*innen nach Information über sexuelle Gegenreaktionen, solche Gefühle in einem souveränen und offenen
|
||
Team zu äußern. Die Fähigkeit, tabuisierte Gegenübertragungsgefühle zu kommunizieren, dient dem Schutz der Mädchen und
|
||
Jungen vor Reviktimisierung und der Entlastung von Zweifel an
|
||
der pädagogischen Integrität.
|