2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/265.md

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14.1 Die Konfrontation mit schwierigem Verhalten
Die Geschichten der Mädchen und Jungen aus herausfordernden
Lebensumständen materialisieren sich in schwierigen und ungewohnten Verhaltensweisen. Möglicherweise verursacht das
normale Verhalten eines Kindes, das in sexuelle Misshandlung
verwickelt ist, Abneigung und Vorurteile bei Bezugspersonen.
Verwirrende → Akkomodationsmechanismen wie Heimlichkeit,
Verstrickung der Kinder, abgestrittene und widersprüchliche Berichte über die traumatischen Erfahrungen, Übertragungen auf
der Opfer- oder Täterseite und die beeinträchtigte Fähigkeit der
Mädchen und Jungen zu vertrauen, belasten die Bezugspersonen
bis an die Grenze dessen, was noch psychisch zu tragen ist. Die
Konfrontation mit Verhalten auf der Opfer- oder Täterseite stellt sie
vor Bewährungsproben, konfrontiert sie doch auch mit eigener Hilflosigkeit. Durch Verhaltensweisen wie Prostitution und Missbrauch
von Schwächeren werden zentrale Werte und Normen des menschlichen Lebens in Frage gestellt. Oft sehen die Pädagog*innen dieses
Verhalten nicht als normale Reaktion auf eine unnormale Kindheit,
sie werten es als einen Angriff auf ihre pädagogische Integrität und
auf persönliche Wertvorstellungen:
„Wieso prostituiert die sich, die braucht das doch nicht mehr.“14
Meine Studie über den Umgang mit belastenden Verhaltensweisen
verdeutlicht, dass manche Handlungsstrategien der Pädagog*innen
sowohl die Belastungen der Kinder als auch ihre eigenen Belastungen verstärken.
Der Umgang mit Aggression
Nicht wenige Reaktionen auf Aggression dienen der notwendigen
Begrenzung und dem Schutz von Kindern, Jugendlichen und den
14 Diese und alle folgenden Aussagen von Pädagog*innen stammen aus meiner
Studie 1999.