2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/254.md

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254
12.2 Schutz vor Retraumatisierungen durch Eltern
Die Jugendhilfe hat immer noch zu wenig Erfahrung mit Elternarbeit, die Eltern mit dem, was sie getan haben, konfrontiert. Da
missbrauchende und Missbrauch duldende Eltern bedeutenden Einfluss auf die Verarbeitung von Traumata haben, kann Jugendhilfe
mit diesem Zustand von Elternarbeit nicht zufrieden sein. Ziele
und Möglichkeiten einer Elterntäterarbeit müssen ausprobiert
werden. Natürlich kann es nicht per se darum gehen, die Familie
zu entmachten. Doch nur der offene Umgang mit der Thematik
Gewalt gegen Kinder ist ein sicherer Weg, nicht zu Kumpanen
der Verleugnung zu werden. Nur eine traumainformierte Planung
von Besuchskontakten und Rückführungen minimiert die Gefahr
erneuter Traumatisierungen.
Traumainformierte Interventionen
Ina und Inas Eltern sind zu einer Helfer*innenkonferenz eingeladen. Sie haben
eine Familienhelferin. Eine Vermutung sexueller Gewalt steht im Raum. Ina
hatte es in der Schule angedeutet. Doch niemand thematisiert dies. Ina schaut
von einem zum anderen, sie erlebt die Helfer*innen als hilflos. Der Vater geht
grinsend mit seiner Frau nach Hause. Ina wird kaum noch mal reden. Die
Familienhelferin bekommt danach übrigens keinen Zugang mehr.
Das zuständige Jugendamt hat keine reflektierte Strategie im Umgang mit Vermutungen sexueller Gewalt, keine kollegiale Beratung
oder Kontakt mit einer Beratungsstelle. Der Vater weiß das Jugendamt mit dem Vorwurf übler Nachrede einzuschüchtern. Die Mutter
kann nicht erreicht werden, bzw. es wird nicht versucht. Inas Ruf
nach Hilfe scheitert tragisch.
In einigen Jugendämtern gibt es Handlungsanleitungen im
Kontext sexueller Gewalt, erfahrene Kolleg*innen und Beratungsteams, doch nicht flächendeckend. Das ist erschütternd, wissen wir
doch ausreichend von den lebenslangen dramatischen Folgen. Und
es ist auch erstaunlich, weil ausreichendes Fachwissen vorliegt. Im