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ist es kaum verwunderlich, dass ein Missbrauch eher von Personen
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aufgedeckt wird, die die Institution schon verlassen haben. In dieser
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herrscht möglicherweise nur eine begrenzte Bereitschaft sich an der
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Offenlegung zu beteiligen (Enders 1995). Die Kolleg*innen, die eine
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Vermutung geäußert haben, beginnen zu resignieren, sie ziehen sich
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zurück. Das Kind gerät vollends aus dem Blickfeld.
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Dank der mutigen Offenlegungen von Männern und Frauen, die
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in öffentlichen und konfessionellen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen sexuelle und andere Formen der Gewalt erlitten haben,
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wurden und sind Übergriffe von professionellen Bezugspersonen
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Gegenstand öffentlichen Interesses und die Fachöffentlichkeit hat
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sich dem Thema angenommen.
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Eine nach eigenen Worten nicht repräsentative, jedoch die umfangreichste derzeit vorliegende Befragung von Jugendlichen zu
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erlebter sexueller Gewalt (DJI 2017, S. 38) kommt zu folgenden Ergebnissen: In 49 % der Heime berichteten Jugendliche von sexuellen
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Gewalterfahrungen außerhalb der Einrichtung. In den stationären
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Einrichtungen erlebten 29 % der Jugendlichen nach ihren Angaben
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mindestens eine Form sexueller Gewalt in der Wohngruppe, 61 %
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der Betroffenen waren Mädchen. Die sexuelle Gewalt scheine vor
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allem von externen Personen und Gleichaltrigen auszugehen, bei
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fünf % waren es Erwachsene aus der Einrichtung (ebd., S. 12–15).
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Erziehung bedeutet Macht
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Erziehungsverhältnisse beinhalten per se Machtgefälle. In Einrichtungen der Erziehungshilfe ist dieses Machtgefälle noch einmal
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größer. Grundlegende Erfahrungen der Mädchen und Jungen wie
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Machtlosigkeit, Isolation, ungenügende Versorgung, willkürliche
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körperliche Gewalt und sexuelle Gewalt machen sie zum idealen
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Opfer: „Ihre Leidenserfahrungen hatten sie über Gefahren und
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Risiken des Kinderlebens belehrt und – darüber hinaus – ihnen
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empirisch bewiesen, dass sie selbst Gefahren nicht abwehren
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konnten“ (Wolf 1999, S. 301). Die Machtbalance wird – so Wolf
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(S. 302) – durch eine Reihe von weiteren Organisationsmerkmalen
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beeinflusst, die die Macht der Erzieher*innen stärken:
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