2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/241.md

33 lines
2.1 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

241
Wenn die Pädagoginnen die Sexualisierung der Berührungen
thematisieren, schützen sie ihre eigenen Grenzen und erhalten
ihre Handlungsfähigkeit. Laura muss wissen, was die Pädagoginnen
stört. Nur das gemeinsame Verstehen hilft ihr, ihr fremd- und
selbstschädigendes Verhalten einzuordnen und zu ändern. Dieses
Aussprechen hat Vorbildfunktion. Die Pädagoginnen sind Modell:
Wenn sie sexualisierte Berührungen dulden, können sie Laura und
die anderen Mädchen und Jungen kaum im Üben von sexueller
Selbstbestimmung unterstützen. Das Ansprechen ist eine Gratwanderung, Laura soll spüren, dass sie respektiert und verstehend
betrachtet wird, sie soll auch lernen, dass eine Sexualisierung der
Kontakte zwischen erwachsenen Bezugspersonen und Abhängigen
nicht möglich ist.
Übergriffige Kinder und Jugendliche
Sexuelle Grenzüberschreitungen zwischen Kindern und Jugendlichen sind Alltag in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe.
Möglicherweise werden diese Verhaltensweisen tabuisiert, weil man
um den Ruf der Einrichtung fürchtet. Doch sind gerade ein sicherer
und konsequenter Umgang der Pädagog*innen mit sexuellen Übergriffen ein notwendiger Schutzfaktor für die Opfer und für die Täter.
Die Interventionen sollen dem Schutze der Opfer dienen, sie sollen
aber auch eine Verfestigung von sexuell aggressiven Verhaltensmustern verhindern. Täterprävention ist auch, auf sexualisierte
Sprache, Berührungen etc., also auf die alltägliche sexualisierte
Gewalt zu reagieren. Nichtreaktion provoziert eine Verfestigung
des Verhaltens. Michaelis und Lüüs erprobten in ihrer Einrichtung
eine zielorientierte professionelle Pädagogik, in deren Zentrum
eindeutige Aussagen der Einrichtung zu sexueller Gewalt bei jeder
Aufnahme eines Mädchens oder Jungen stehen. Sexualisierte Gewalt
wird nicht geduldet, verbale Grenzverletzungen werden in Gruppennachmittagen thematisiert. Mithilfe der Gruppenpädagogik setzen
sie zur Prävention sexualisierter Gewalt in koedukativen Wohngruppen bei der Veränderung der Kommunikationsmuster an
(Michaelis/Lüüs 1999, S. 109 ff.).