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232
Umgang mit Geschlechterrollen von Jungen und Mädchen aus
Kriegs- und Armutsgebieten
Eigentlich wollte ich nicht dazu schreiben, um nicht ein irgendwie
anders besonderes zu betonen. Doch das wird der Realität nicht
gerecht: „Innerhalb der rassismuskritischen Bildungsforschung
wird seit vielen Jahren darüber geschrieben, wie der migrantische
Körper zum Ort wird, an dem rassifizierende, ethnifizierende,
genderfixierende Disziplinarmaßnahmen zusammentreffen
und an dem sich repressive Sexualitätsvorstellungen und Stereotypisierungen treffen. „Junge männliche Migranten sind in besonderer Art und Weise davon betroffen. Sie werden als das Objekt
der Angst stilisiert. Von ihren Körpern geht, so die rassistische
Imagination, Gefahr aus. Wie lebt es sich in einem Körper, der als beängstigend gilt? Welche Sexualität können Jungen entwickeln, denen
nachgesagt wird, dass das Begehren etwas ist, was sie kontrolliert? In
der Pädagogik gilt es, diese Verletzungen und Herabsetzungen ernst
zu nehmen und gemeinsam mit den Jugendlichen Strategien gegen
diese kontinuierliche Zumutung zu suchen.“ (María do Mar Castro
Varela: „Der Migrant, ein ungezähmter Mann? Zur Kontinuität
kolonialer Zuschreibungen“ In: Irgendwie hier Flucht, Migration,
Männlichkeiten, https://lagjungenarbeit.de/veroeffentlichungen/
dokumentationen-broschueren, Abfrage 01.09.2023).
Wir müssen uns fragen, welche Konstruktion von Geschlechtlichkeit die jungen Erwachsenen aus ihren Kulturen mitbringen, wo
hegemoniale Männlichkeit mit Kulturprägung verbunden ist und
wo unsere Definition von Geschlecht einen rassistischen Ursprung
hat. Wie reagieren wir auf Männlichkeitskonstrukte von Jungen
aus patriarchalen Gesellschaften? Und wie haben ihre Fluchterfahrungen ihr Konzept von Männlichkeit verändert, verstärkt?
Eine moralische Verurteilung klassischer Männlichkeitsbilder hilft
nicht weiter. Das gleiche gilt für das Frauenbild, das Mädchen und
junge Frauen mitbringen. Moralische Urteile verändern nichts, die
jungen Frauen müssen die Gelegenheiten haben, von den Frauenleben in ihren Kulturen zu berichten, und selbst entscheiden können,
welche Frauenrolle sie wählen.