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230
Philipp
Philipp ist in der Hauptschule doppelt isoliert. Er ist anders, weil er in einem
Heim aufwächst, er ist anders, weil er sich den Machtdemonstrationen der
anderen Jungen entzieht. Er findet die Männlichkeitsriten schlicht blödsinnig.
Philipp lehnt die Zumutungen traditioneller Männlichkeit ab. Er findet eine
sexualisierte, alles Weibliche deklassierende Sprache dumm. Damit verliert er
den Zugang zu einer möglichen Peergroup außerhalb des Heims in der Schule.
Um die Anerkennung in ihren Peergroups nicht zu verlieren,
eifern viele Jungen den gängigen Männlichkeitsbildern nach. Ihre
Sozialisierung konzentriert sich bevorzugt auf Beruf und Außenwelt, die männliche Domäne, und vernachlässigt die Relevanz der
Lebenswelt Familie und Kinder. Wie Lucky Luke oder John Wayne
lösen sie ihre Probleme alleine und tun, was ein Mann tun muss.
Der normative Druck ist groß. Wenn diese Strategien versagen,
greifen sie möglicherweise zur körperlichen Gewalt, so wie sie es
in ihrer Lebensgeschichte gelernt haben. Pfeiffer und Wetzels (nach
Enzmann 2000) bestätigen mit ihrer Untersuchung: Jugendgewalt
ist eher männlich. Jungen, die in ihrer Kindheit geschlagen oder
misshandelt wurden, sind erheblich häufiger gewalttätig als nicht
geschlagene Jungen. Sie schließen sich erheblich häufiger devianzgeneigten Gruppen an. Philipp, Michael und Martin benötigen
andere Männlichkeitsbilder, Konzepte positiver Männlichkeit als
Grundlage von Jungenarbeit:
Grundlagen der Jungenarbeit
Die anderen Männlichkeitsbilder können durch das Vorleben der
Pädagogen transportiert werden. Die Erfolge des Lernens am Modell
sind aber nicht sehr weitreichend. Behindernd wirken sich die Unterschiede der sozialen Schichten von Betreuern und Betreuten (Wieland
u. a. 1992, S. 128) und wie auch bei der Entwicklung aller sozialen
Motive die ganz persönlichen, konkreten lebensbiografischen Erfahrungen der Jungen aus.
Das bedeutet, dass in der Jugendhilfe neben dem Lernen am Modell die
Auseinandersetzung mit jungenspezifischen Bedürfnissen und Schwierigkeiten im Kontext des jeweiligen Milieus und auf dem Hintergrund