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Während die Übertragungsformen in der Psychoanalyse wissenschaftlich erforscht sind und weiterentwickelt werden, steht dies in der Pädagogik noch weitgehend aus, obwohl Übertragungen alltäglich wirken und es sehr viel Erfahrungswissen hierzu gibt. So beschreibt die Pflegemutter und Diplompsychologin Alice Ebel (2003) die ‚Übertragungsphase‘ – sie teilt die Pflegeverhältnisse in Anpassungsphase, Übertragungsphase und Regressionsphase ein – als die schwierigste. Traumatisierte Menschen entwickeln eine spezifische Art der Übertragung, die traumatische Übertragung: „Die traumatische Übertragung spiegelt nicht nur die Erfahrung von Gewalt wider, sondern auch die Erfahrung von Hilflosigkeit […]. Die Erinnerung an diese Erfahrung prägt alle späteren Beziehungen“ (Herman 1993, S. 188). Die traumatische Übertragung störe durch ihre destruktive Kraft die heutigen Beziehungen und erschwert Entwicklung. Während es in einer psychoanalytischen Therapie um die Förderung von Übertragungen, also auch den traumatischen Übertragungen geht, ist es Aufgabe der Pädagogik, die traumatischen Übertragungsphänomene nicht konflikthaft zu verschärfen: Anna hat eine Auseinandersetzung mit der Pädagogin. Die Pädagogin wird lauter. Anna hebt die Arme vor ihr Gesicht und reagiert panisch. Sie hat Angst, dass die Pädagogin gleich ähnlich brutal zuschlägt wie ihre Mutter. Anna schreit: „Nein!“. Die Pädagogin ist entsetzt über Annas Ängste.
Wenn alte Erlebnisinhalte, die eigentlich dem Täter oder der misshandelnden Mutter gelten, von den Mädchen und Jungen auf die Pädagog*innen übertragen werden, kommt es darauf an, diese nicht durch eine Verstärkung anderer alter Erlebnisinhalte der Kinder und Jugendlichen, wie Schuldgefühle, Selbstunwert, zu festigen. Eine phänomenologische Beschreibung dieser Übertragung ist für sie hilfreich und notwendig. Markus soll vor Gericht aussagen, er wurde von seinem Vater sexuell missbraucht. Markus hat Angst, der Vater war immer mächtiger, er konnte sich nicht vor ihm verstecken, niemand – auch nicht die Großeltern, die das wollten – konnten ihn schützen.