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203
von Silke Gahleitner an: „Die Herstellung des Therapeutischen
Milieus erfolgt auf mindestens zwei Ebenen: 1. Auf der Alltagsebene durch die Etablierung einer stationären Bezugsbetreuung
2. Auf der psychotherapeutischen Ebene durch das Angebot einer
tragfähigen therapeutischen Beziehung. In enger Vernetzung […].“
(Gahleitner 2010, S. 134)
Das Angebot eines therapeutischen Milieus ist umfangreicher
als Traumapädagogik, da es auf jeden Fall in der Tradition der
Gründerväter eine therapeutische Begleitung voraussetzt und
ein Aufdeckungsraum zur Verfügung gestellt wird. Doch eine
Therapeutisierungsentwicklung in den Konzepten von Bettelheim,
Redl und Wineman, den Pionieren des therapeutischen Milieus,
kann durchaus als Fixierung auf die Bearbeitung unbewusster
Konflikte gewertet werden: „Im Rahmen ihrer Bemühungen um
adäquatere Unterstützungsleistungen der Heimkinder fand auf
der Grundlage psychoanalytischer Methoden eine Fixierung auf
therapeutische Aufgaben statt, da gezielt die Exploration und Aufarbeitung unbewusster Konflikte angestrebt wurde.“ (Kleid 2008,
S. 36). Traumabearbeitung wird schneller mit Aufdeckung und
Traumaexposition assoziiert, als dies vielleicht den Mädchen und
Jungen möglich ist. Noch sagt die Forschung wenig darüber, ob der
Zeitpunkt einer Exposition von chronisch kumulativen Traumata
im kindlichen und jugendlichen Alter hilfreich ist; auf jeden Fall
kann eine wie auch immer formulierte Zentrierung auf Aufdeckung
abschrecken. Einige Mädchen und Jungen wollen keine Therapie in
Anspruch nehmen, da sie diese mit Aufdeckungsarbeit verbinden
und ihr Tempo lieber selbst bestimmen.
Und auch wenn Kinder in der Heimerziehung von thera­
peutischen Angeboten profitieren können, ist dies immer ein Zusatzangebot; sofern es wirklich geboten ist und die Kinder dies nicht
als Zumutung empfinden, weil sie nicht krank sind, sondern um
ihre Kindheit betrogen wurden. Traumapädagogik bedeutet nicht
die Therapeutisierung der Pädagogik. Sie ist auch keine Pädagogik,
die mit einem Trichter mit Erkenntnissen aus der Psychotraumatologie, der Neurobiologie, den therapeutischen Disziplinen aufgefüllt
wurde. Die Adaption therapeutischen Wissens in die Pädagogik
und die Zusammenarbeit aller Professionen, die um traumatische