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202
Kernaussage von Pestalozzi und damit viel älter als die Bindungsforschung ist. Oder es besteht die Auffassung, die Entstehung der
Traumapädagogik sei hauptsächlich Fachdienstmitarbeitern in der
Jugendhilfe zu verdanken, obwohl die ersten Schritte der Traumapädagogik in pädagogischen Einrichtungen gegangen wurden.
Pädagog*innen werden aufgefordert, trauma-bezogenes Material
zu meiden (Denner 2003) und sich auf ihren Kernbereich der Erziehung (Weinberg 2005) zu beschränken. Es geht offensichtlich um
mehr: nämlich um Definitionsmacht.
Im Interesse der Mädchen und Jungen und im Interesse der
Kolleg*innen ist ein interdisziplinäres Miteinander notwendig.
Nicht die Therapeut*innen können die pädagogischen Aufgaben
und Standards für die Pädagog*innen formulieren und umgekehrt.
Es geht um ein gleichberechtigtes Miteinander und darum, die
Definition von Traumapädagogik den Pädagog*innen und ihren Verbänden federführend zu überlassen. Ich plädiere für einen offenen
Umgang mit anderen Bezugswissenschaften, in dem die oben beschriebenen Gefährdungen offensiv auch in Konfrontation mit
den Vertretern der Fachdisziplinen diskutiert werden. Und genauso notwendig ist die Integration von psychotraumatologischem,
therapeutischem etc. Wissen in die Pädagogik. Das kann nur ein
Dialog auf Augenhöhe sein, ein Dialog über Traumapädagogik, der
nicht von Therapeuten, Ärzten und Wissenschaftler dominiert wird.
Auch eine mögliche Bewertung des therapeutischen Milieus
als die bessere Traumapädagogik scheint mir bedenklich. Im Zusammenarbeiten von Pädagogik und Therapie impliziert der
Begriff therapeutisches Milieu immer noch eine Bewertung
therapeutisch besser als traumapädagogisch die auch gesellschaftlich z. B. durch Ausbildung und Bezahlung zementiert wird. Zudem führt ein heterogener Gebrauch des Begriffes therapeutisches
Milieu zu fatalen Missverständnissen: „Auf Fachtagungen und in
Diskussionen mit Fachkolleg/innen wird unter der Begrifflichkeit
therapeutisches Milieu immer wieder der hervorstechende Einfluss
psychotherapeutischer Interventionen verstanden […]“ (Gahleitner
2016, S. 56). Historisch kennzeichnet der milieutherapeutische
Ansatz die Notwendigkeit der Öffnung der Pädagogik für andere
Bezugswissenschaften. Zur Präzisierung bietet sich die Definition