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Julia versorgte und schützte die Geschwister als Fünfjährige. Sie durfte nicht
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Kind sein, musste Leistung bringen, um dazuzugehören, um etwas „wert“ zu
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sein. Im Heim übernimmt sie Arbeiten für die Gruppe und besteht darauf, die
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jüngeren Geschwister weiterhin zu versorgen. Ihre inneren Möglichkeiten, sich
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entlastet auf altersentsprechende Entwicklungsaufgaben zu konzentrieren, sind
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auch im Heim in Gefahr. Jana, Laura und Philipp sind gebunden in Sorge um
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das Wohlergehen der Eltern. Sie fühlen sich schuldig für das, was sie erleben
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mussten.
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Gelingt es Philipp und Jana, sich für den Zusammenhang von
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altem und neuem Zustand einen lebensgeschichtlichen Sinn zu erschließen? Ein lebensgeschichtlicher Sinn, der Jana und Philipp
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nicht noch mehr mit Schuld- und Schamgefühlen belastet; Gelingt
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es Philipp und Jana ein Kohärenzgefühl zu entwickeln, das Gefühl,
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dass die gegebene Situation Bedeutung und eine Struktur hat, dass
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es Sinn macht, jetzt in dieser Einrichtung zu leben? Ein Sinn, der
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Zukunft ermöglicht, weil er Vergangenheit nicht auslässt?
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9.4
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Zukunft ermöglichen
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Für viele Jugendliche ist das Leben nach der Heimerziehung risikoreich und unsicher. Kaum einer hat optimistische Erwartungen
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für die Zeit danach, schon gar nicht das Gefühl, dann beginne die
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große Freiheit. Wenn auch viele geschützte Kinder eher Bedenken
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hinsichtlich der großen Freiheit haben, sind die Unterschiede zu
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den Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen
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signifikant. Neben den traumatischen Erfahrungen behindert auch
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die Vorbildfunktion der Eltern die Entwicklung von Zukunftsperspektiven: „Die Eltern sind die Chiffre für ein gescheitertes,
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misslungenes Leben. […] Das Scheitern der Eltern überschattet das
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Leben ihrer Kinder auch deshalb, weil diese davon überzeugt sind,
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dass diese Unfähigkeit vererbt wird.“ (Wolf 2000, S. 32) Zusätzlich
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fehlt den Mädchen und Jungen aus der Heimerziehung die Unterstützung von Bezugspersonen. Die realen Unterschiede hinsichtlich
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Bildung und Ausbildung sind groß (8.3). Sie werden relativ früh in
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die ‚große Freiheit‘ entlassen. „Die Bedrohung bestand nicht primär
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