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Herkunft und Zukunft bedingen einander
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„Kein Mensch kann den Wirkungen entgehen oder sich von den
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Einflüssen trennen, die von seiner Kindheit und Jugend her in
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sein späteres Leben dringen, auch und gerade, wenn diese Kindheit unter Einflüssen stand und Verhaltensweisen erzeugt hat, die
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es am liebsten vergessen möchte, zuerst vor sich selbst.“ (Christa
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Wolf in ‚Auskünfte Werkstattgespräche mit DDR-Autoren‘). Die
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Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft ist selten einfach. Bis
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in die sechziger Jahre war sie in der Bundesrepublik, in der DDR
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noch länger verpönt. In ihrem Buch ‚Kindheitsmuster‘ berichtet die
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Schriftstellerin von der Unfähigkeit sich „[…] aufzulehnen gegen die
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Übereinkunft, dass man keinen übertriebenen Anteil an sich selber
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nehmen soll, weil man damit – was schlimmer zu sein scheint als
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Sterben – das Befremden der anderen wecken und ihnen womöglich
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lästig fallen würde.“ (Wolf 1976, S. 277). Die meisten Eltern meiner
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Generation hatten diese Übereinkunft. Und diese Übereinkunft
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trennte sie von sich. Allerdings bewahrte sie sie auch vor schmerzlichen Erinnerungen und Auseinandersetzungen.
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Eine qualitative Untersuchung der Lebensentwürfe von sieben
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heimentlassenen jungen Erwachsenen (Wieland u. a. 1992) verdeutlicht eindrücklich, wie sehr die Zukunft mit der Herkunft verbunden
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ist. Ihre Lebensentwürfe kreisen im Wesentlichen um die Familie.
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Der Wunsch nach Anpassung und sozialer Integration prägt ihre
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Zukunftsvorstellungen. Sie wollen Kinder, um diesen zu ersparen,
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was sie erleben mussten, um etwas wieder gut zu machen. Ihre
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Geschlechtsrollen füllen sie herkunftsspezifisch aus. Die beruflichen
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Perspektivvorstellungen sind vorwiegend getragen vom Wunsch
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nach Anerkennung und sozialer Integration. Alle haben Zukunftsvorstellungen, die direkt die Herkunft berühren:
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Laura sucht eine Lebensperspektive, die auch die Rettung ihres jüngeren Bruders
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beinhaltet. Martin will schnell viel Geld verdienen, um nie mehr von irgendjemand abhängig zu sein. Sonja will den Stiefvater nicht anzeigen, damit die vier
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Geschwister ihren Vater nicht verlieren. Philipp (16-jährig) will nach Hause,
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dort trinken alle, dort wird das Trinken nicht reglementiert.
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