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Auch wenn ein nicht geringer Anteil von Menschen schwerwiegende
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Belastungen so verdrängen können, dass sie ein gutes Leben führen
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(Frank/Gahleitner 2015), muss es doch auch die Möglichkeit geben,
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den Schmerz anzuerkennen. Es braucht soziale und gesellschaftliche
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Bedingungen, die die Anerkennung des Schmerzes und das Zeigen
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von Narben zulassen. Der algerisch-französische Künstler Kader
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Attia hat im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/M. zwei
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zerbrochene Spiegel aufgehängt, „[…] die mit rostigen Klammern
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zusammengehalten werden. Sie funktionieren als Spiegel. Und
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sie tragen sichtbare Narben, die anzeigen, dass man mit etwas
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Repariertem vorsichtig umgehen muss, damit es nicht wieder
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kaputtgeht. Aber nicht nur das. Kader Attia hängt es ins Museum
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und sagt damit, das ist schön, so schön wie dein Konterfei in diesem
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reparierten Spiegel.“ (Maurer 2018, S. 175). Kader Attia schlägt
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damit vor, die Narben als Teil der sichtbaren Wirklichkeit anzuerkennen. Die von ihm geschaffene Weltkugel ist ein Flickenteppich
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unterschiedlicher Farben, die notdürftig zusammengehalten werden.
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„Und trotzdem handelt es sich um eine sehr schöne farbenfrohe
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Weltkugel, in der sich jede/r mit seinen Verletzungen und Narben
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wiederfindet, die ja viel mehr die eigene Identität bestimmen als
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nationale oder soziale Herkunft.“ (Maurer 2018, S. 175). Das Sichtbar-machen der Narben, die Anerkennung des Schmerzes ist nicht
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nur eine philosophische oder künstlerische Frage, sie ist auch eine
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Anfrage an unser fachliches Handeln (Andreatta 2012). Wie oft
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wird im pädagogischen Alltag Ausdruck von Schmerz übersehen
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oder übergangen. Eine Expertin berichtete, dass sie ihrer Pädagogin
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nichts von ihrem Schmerz erzählen kann, weil sie spürt, dass diese
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das nicht verkraftet. Auch hier habe ich viel von den Expertinnen
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im AWZ gelernt. Bei der Erstellung eines Konzeptes zum Umgang
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bei selbstverletzendem Verhalten war es für die Mädchen „[…] von
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besonderer Bedeutung, dass nur frische Wunden abgedeckt werden
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müssen, jedoch abgeheilte Narben offen getragen werden. Für die
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Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, dass das innere Leid, was
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sich durch die Narben äußerlich zeigt, eben nicht wieder verdeckt
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wird, wie das Leid, welches ihnen zuvor meist im Verborgenen zugefügt wurde.“ (Kahl/Winterstein 2018, S. 117)
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