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Auch Judith L. Herman kennt die besondere Wirkkraft der Gruppe
der Gleichen: „Die Wiederanknüpfung sozialer Beziehungen
beginnt mit der Entdeckung, dass man nicht allein ist. Nirgendwo
spürt das Opfer das so unmittelbar und in so überzeugender Deutlichkeit wie in einer Gruppe.“ (1993, S. 308). Gefühle der Isolation,
der Scham und der Stigmatisierung lösen sich langsam auf.
Das Verstehen von Profis und Expert*innen beschreibt Teresa
als Beheimatung (s. o.) und sie ist da in guter Gesellschaft. „Ich will
verstehen. Und wenn andere Menschen verstehen im selben Sinne
wie ich verstanden habe, dann gibt mir das eine Befriedigung wie
ein Heimatsgefühl.“ (Arendt 2005, S. 48)
Die Bedeutung der Zeugenschaft
Herausfordernde Lebensumstände als wahr zu begreifen, ist immer
ein Kraftakt, zu begreifen was man erlitten und zu begreifen, was
man geleistet hat. Das geht wie das gemeinsame Verstehen selten
alleine. Während unseres Buchprojektes haben sich die Expertinnen,
die jungen Frauen Teile ihrer Lebensgeschichte gegenseitig vorgelesen. Und zwar das war ein Vorschlag der Mädchen jeweils
eine Andere, damit die Autorin ihre Geschichte hören konnte. Wir
erlebten die Solidarität, die tiefe Verbundenheit der Mädchen in
dieser Stunde:
„Als die Mädels und ich Teile unserer Lebensgeschichte für das Buch vorgelesen
haben, hat man auch richtig gesehen, was das mit uns macht. […] Es war krass,
die Reaktion von andern auf seine Geschichte zu sehen […] und dass man
einfach so ein Mitgefühl gespürt hat, […] es war so ein toller Moment […] wir
haben zwar am Ende alle geheult, aber es war echt ein krasser Moment.“ (Weiß/
Melonie/Söder 2019, S. 155)
Zeugenschaft ist notwendig zur Heilung und sehr besonders, wir
konnten in den Gesichtern der Mädchen sehen, wie Teile ihres
Lebens zur Wahrheit wurden. Es ist die Zeugenschaft anderer,
die dazu führt, „[…] dass das innere Erleben und die Vergangenheit wahr werden und so ein Ja zu sich selbst als Basis für weitere