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166
Lang schlug auf einer Zertifizierungsfeier des Fachverbandes
Traumapädagogik vor, den Begriff professionelle Distanz durch
professionelle Nähe zu ersetzen, ein guter Impuls!
Partizipation und Transparenz stellen die psychosozialen Fachkräfte vor große Herausforderungen. Die Verantwortung wird nicht
weniger, sondern mehr. Und dennoch ist das gemeinsame Arbeitsbündnis mit Mädchen und Jungen, die wissen, um was es geht, und
beteiligt werden, um das Vielfache sinnstiftender!
8.3
Reale Bildungschancen
Kinder wie Jana und Philipp besuchen am ehesten Haupt- und
Förderschulen (vgl. Macsenaere/Esser 2015, S. 88). Damit werden
ihre Chancen auf soziale Teilhabe erheblich eingeschränkt. Dass es
besser gehen kann, zeigen geschlechtsspezifische und strukturelle
Unterschiede: Die Mädchen streben zu einem größeren Anteil einen
höheren formalen Bildungsabschluss an als die Jungen und Kinder
und Jugendliche in Pflegefamilien besuchen häufiger Realschule,
Gymnasium, Gesamtschule als Mädchen und Jungen in Heimen
(Pothmann 2007). Kinder wie Jana und Philipp haben keine Eltern,
die sie zum Abitur tragen, sie sind später in hohem Ausmaß auf sich
alleine angewiesen. Im erzieherischen Alltag habe ich erlebt, dass
Talente und Begabungen der Mädchen und Jungen sicher aus Zeitund Geldmangel nicht ausreichend wahrgenommen und gefördert
wurden, obwohl doch alle Möglichkeiten von guten Erfahrungen
in Schule und Ausbildung die soziale Teilhabechancen erhöhen.
Doch auch die Schulen haben zu kämpfen. Wuttig beschreibt
im Kontext von Migration, Geschlecht und Traumatisierung Schule
als Institution, in der sich Verhältnisse von Nichtanerkennung oder
Verkennung verdichten (Wuttig 2017, S. 362). Dieser herrschende
Diskurs stelle die Lehrer*innen vor die Aufgabe einer permanenten
Reflexion der Inhalte und Ziele ihrer Arbeit (ebd.). Ihnen sei es
nicht ausreichend möglich, die Lernschwierigkeiten der Mädchen
und Jungen in ihren lebensbiografischen Kontext zu stellen. „Diese
Jugendlichen lebten oder leben in hoch belastenden Zusammenhängen und tragen existenzielle biografische Verletzungen in sich.