2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/141.md

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141
in der Regel ein negatives → Selbstkonzept. Sie kennen Schuldumkehrungen, das Abspalten von Gefühlen, sie waren Objekte
der Bedürfnisse Erwachsener. Ein Gefühl von Anderssein prägt
ihr Selbstbild. Sie haben Verhaltensstrategien, die im Alltag stören,
eine negative Einstellung über sich und ihren Platz in der Welt entwickelt und sind mit Erinnerungsebenen konfrontiert, über deren
Herkunft und Dynamik sie wenig wissen. Selbst-Verstehen ist der
erste Schritt zu einem positiven Selbstkonzept:
Im ersten halben Jahr ihres Aufenthaltes in einer stationären Einrichtung ist
Jana der Überzeugung, die Pädagog*innen und die anderen Kinder mögen sie
nicht. Sie mache sowieso alles falsch. Nichts kann sie richtig.
Jana hilft dann schon ein Hinweis auf diese, ihre Überzeugung von
sich selbst und eine verstehende Überprüfung. Natürlich wird sich
ihre innere Haltung davon alleine nicht verändern, es unterstützt
Jana dabei, ihre Überzeugungen und Empfindungen zu sich selbst
im Gespräch zu klären und neue Sichtweisen zuzulassen.
Oft stören die Verhaltensweisen, die die Mädchen und Jungen
in der sie traumatisierenden Umwelt entwickelt haben. Die Kinder
spüren dies, ihr Gefühl, schlecht zu sein, schuld zu sein, wird
verstärkt. Sie haben ein Recht auf Menschen, die sie dabei unterstützen, die Verhaltensweisen, mit denen sie heute sich und andere
schädigen, als damals logisch zu begreifen: „In jeder Phase ihrer →
Akkommodation verdienen Opfer ein einfühlsames, professionelles
Verständnis und die Versicherung, dass ihre Reaktionen begreiflich sind, psycho-physiologisch und reversibel, statt Indikatoren für
eine unzureichende Wirklichkeitsüberprüfung und verbleibende
Psychopathologie“ (Rennefeldt 1989, S. 18). Es braucht Räume, in
denen es den Mädchen und Jungen möglich wird, den unbewussten
oder früheren Sinn, den guten Grund ihrer Verhaltensweisen zu
erkennen. Pädagog*innen können Kinder wie Jana und Philipp
dabei unterstützen, selbstschädigende (→ ritzen etc.) und fremdschädigende (z. B. sexualisierte Gewalt) Verhaltensweisen aufzugeben, indem sie das Verständnis für das eigene Verhalten fördern
und dann mit ihnen alternative Verhaltensmöglichkeiten erarbeiten.
Stellungnahmen der Pädagog*innen wie: Das war deine normale