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105
B Traumainformierte Pädagogik
„Man kann einen Menschen nichts lehren,
man kann ihm nur helfen,
es in sich selbst zu entdecken.“
(Galileo Galilei)
Noch immer wird, wenn es um die Bewältigung von herausfordernden Lebensumständen geht, auf die Psychotherapie
fokussiert, während die Möglichkeiten der Pädagogik weniger in
Betracht gezogen werden. Einen der vielen Gründe hierfür sprach
eine Pädagogin in einer vor mir durchgeführten Befragung (Weiß
1999) offen aus: Die traumatischen Erlebnisse der Kinder an das
therapeutische Setting zu delegieren sei eine Möglichkeit, das eigene
Entsetzen zu verdrängen.
Die grundsätzlichen Fragen nach den Ursachen der Gewalt
von Männern gegen Frauen, Mädchen und Jungen, von Gewalt
Erwachsener gegen Kinder werden in den geschlossenen Raum der
Therapie verlegt und damit auch verleugnet.
Für die Mädchen und Jungen hat dies zum Teil tragische
Folgen. Anstatt die Möglichkeiten von Pädagogik und Therapie
zur Korrektur der Folgen traumatischer Lebensumstände zu nutzen,
wird zum Teil hilflos an den Symptomen der Mädchen und Jungen
herumgedoktert. Es fehlt das Wissen um den Guten Grund ihrer
Verhaltensstrategien. Therapien werden nur in die Wege geleitet,
wenn die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden,
Methode und Inhalte spielen eine untergeordnete, manchmal
keine Rolle. Die spezifischen Belastungen der Helfer*innen im Umgang mit traumatisierten Mädchen und Jungen werden nicht ausreichend wahrgenommen (Eberhard/Eberhard 2000; Weiß 1999).
Im Gegensatz zu der Annahme, nur durch therapeutische Hilfestellung seien traumatische Erfahrungen zu korrigieren, stellt die
pädagogische Begleitung eine große Chance zur Unterstützung der
Mädchen und Jungen dar. „Die Integration des Unannehmbaren