2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/102.md

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102
Herausforderungen ausgesetzt. Diese wirken auf das Selbstbild, die
Selbstwahrnehmung, die Fähigkeit zur Selbstregulation und die
Beziehungsmuster. Traumatische Erfahrungen beeinflussen die Erwartungen der Mädchen und Jungen an sich, an das Leben und
manifestieren sich in unterschiedlichen Erinnerungsebenen. In
Folge werden sich die Zukunftschancen und Lebensqualität von
Kindern wie Jana und Philipp entscheidend verringern. Und hier
beginnt unsere Verantwortung.
Das Wissen um die Auswirkungen belastender Lebensumstände ist rasant gestiegen. Und wir wissen viel darüber, was hilft.
Für Kinder wie Philipp und Jana ist es von Bedeutung, ob das
Leben in Einrichtungen der Erziehungshilfe, in Pflegefamilien ein
protektiver Faktor sein kann, ob sie in der Zeit danach, der nach
Keilson dritten Sequenz, ausreichende Unterstützung bekommen.
Mit ihrer Unterbringung im Heim wurden die sexuelle und die
körperliche Gewalt gegen sie erst einmal gestoppt. Julia, Sabine und
Michael bekommen jetzt zu essen und haben ein anständiges Bett.
Sie werden ausreichend versorgt, werden angesprochen und wahrgenommen. Die Erziehungswissenschaftlerin Luise Hartwig (1990)
befragte zwölf Mädchen alle waren sexuell missbraucht nach
den Vorteilen der Heimunterbringung. Die Sicherheit vor weiterem
Missbrauch durch Vater, Stiefvater oder Bruder, die Rückzugsmöglichkeit in ein eigenes Zimmer, Taschengeld und der Austausch
mit anderen Mädchen seien positiv. Das Leben im Heim ist für sie
verlässlicher und strukturierter. Also, schon einmal ein Fortschritt.
Doch dies wird nicht ausreichen. Die beschriebenen Auswirkungen
können nur dann von den Mädchen und Jungen korrigiert werden,
wenn wir von Fachwissen und Selbstreflexion geleitet, ihren Weg
begleiten. Die Unterstützung in den Erziehungshilfen ist dann ein
protektiver Faktor, wenn es gelingt, die Hinweise der Kinder auf
Traumatisierungen wahrzunehmen, diese so früh wie möglich zu
unterbinden und sie besprechbar zu machen. Das Wissen um die
Auswirkungen der unterschiedlichen Traumata wird diese Herangehensweise erleichtern.
Im aktuellen Traumadiskurs finden wir viele Inhalte für eine gute
Begleitung der Bewältigung herausfordernder Lebensumstände,
z. B. über die Körperlichkeit traumatischer Erfahrungen und über